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Spenden für den Pfingstkarl

pet Heiligenthal. Lukas, Louis, Marc und Linda freuen sich mächtig auf Pfingsten — und das nicht nur wegen der Ferien. Am Pfingstsonntag wollen die Vier in Heiligenthal eine alte Tradition wiederbeleben: Mit dem ,,Pfingstkarl“, dessen gebrochenes Bein dekorativ aus dem mit Birkenzweigen geschmückten Bollerwagen heraushängt, wollen sie durch das Dorf ziehen und um Spenden bitten — am liebsten ein wenig Geld, etwas Süßes oder auch Eier und Speck, das sie sich dann am Abend ,,in die Pfanne hauen können“.

,,Mit dem Pfingstkarl soll gezeigt werden, dass der Winter zu Ende geht, dass der Sommer endlich anfängt“, erklärt Louis. Deshalb ziehen er und seine drei Mitstreiter auch im hellen Hemd oder T-Shirt, mit Kleid oder kurzer Hose und mit Strohhüten los. Dafür bieten sie auch etwas, nämlich den plattdeutschen Spruch: ,,Pingstkarl hett sien Been afbroken, het mit’n Kopp dorch de Luuk rutschoten, hett keen Geld dat heil to maken. Stief Stück Eier un stief stück Speck, wüllt wi maken, dat dat uns goot smeckt.“ Dabei wird die Geschichte des ,,Pfingstkarl“ erzählt und um eine ,,Spende“ gebeten: Karl ist nämlich vom Dach gefallen, hat sich ein Bein gebrochen, aber kein Geld, um die Verletzung behandeln zu lassen — dafür sammeln die Kinder dann eben.

Und auch wer dem ,,Pfingstkarl“ nicht nicht die Tür öffnet, bekommt seinen Spruch: ,,Rull, rull, rull dat ole wief ist dull“, wird dann gerufen. Was heißen soll, dass ,,die alte Frau jetzt ärgerlich ist“. Alt eingesessene Heiligenthaler können sich noch gut an den ,,Pfingstkarl“ erinnern, der schon vor Jahrzehnten immer an Pfingsten durch den Ort gezogen wurde. Wilhelm Cohrs etwa, dessen Kinder in den 1980er-Jahren selbst mitgezogen sind. Für Eier, Wurst und Süßes sangen die Kinder damals ein Lied. ,,Und dann gab es noch den Pingstbüdel, der jedes Jahr ausgeguckt wurde und ein Extra-Lied gesungen hat.“ Und auch der Sohn von Claus-Dieter Schmidt ist Anfang der 1980er-Jahre mit dem ,,Pfingstkarl“ durch den Ort gezogen. Über viele Jahre habe sich die Tradition dann noch im Ort gehalten, ,,dann ist es aber so langsam ausgelaufen“.

Aus Oerzen, woher er stammt, kennt ein Heiligenthaler Landwirt den ,,Pfingstkarl“. Er erinnert sich: ,,Da war die Regel so. Wer zehn Jahre alt war, durfte mitgehen und zwar bis zum Jahr seiner Konfirmation. Dann musste er ein Jahr aussetzen, durfte dann mit der Dorfjugend wieder zum Pfingstbaumpflanzen los.“ Auch Maren Klein, Mutter von Linda und Lukas, kann sich erinnern, dass der ,,Pfingstkarl“ in früheren Jahren durch den Ort gezogen wurde, ,,in den letzten Jahren dann nicht mehr“. Klein: ,,Ich finde es schön, dass diese Tradition jetzt wieder neu auflebt.“ In Heiligenthal macht sich der Pfingstkarl wieder auf den Weg, auch anderswo wird für seine ,,Heilung“ gesammelt, etwa in Südergellersen, wo der der Umzug, zu dem alle Kinder eingeladen sind, am Sonntag ab 9.30 Uhr stattfindet.