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„Eine Mühle fasziniert alle“

emi Bardowick. Mühlenführungen, Getränke und gute Laune: Am Pfingstmontag wird traditionell der Deutsche Mühlentag gefeiert, um die Aufmerksamkeit auf die ältesten Maschinen der Menschheit zu richten. Im Landkreis Lüneburg nehmen die Windmühlen in Bardowick (11 bis 17 Uhr) und Artlenburg (11 bis 16 Uhr) sowie die Wassermühle Heiligenthal (12 bis 17 Uhr) teil. Alle diese alten Mahlwerke liegen an der Niedersächsischen Mühlenstraße, die mittlerweile schon 427 Mühlenstandorte in 29 Landkreisen verbindet. „Das entspricht einer Streckenlänge von 3850 Kilometern“, berichtet Heinz Thiemann, Sprecher der Arbeitsgruppe (AG) Mühlenstraße, die sich um die Fortführung dieser touristischen Route kümmert. Allein im Bereich der Lüneburger Heide führen die Reisewege zu 115 Mühlen.

Die Idee für die Niedersächsische Mühlenstraße wurde laut Thiemann um das Jahr 1996 im Vorfeld der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover geboren. „Damals gab es eine Veranstaltung im Celler Schloss“, erinnert sich der 81-Jährige, der damals als Vorsitzender des Windmühlenvereins Bardowick dazu eingeladen war. „Dort haben wir Ideen zu touristischen Projekten gesammelt. So ist dann auch die Niedersächsische Spargelstraße entstanden.“ Im Jahr 1998 wurde die Mühlenstraße „in Bardowick als Standort Nummer 1 feierlich eröffnet“, erzählt Thiemann. Der Bardowicker liebt die ältesten Maschinen der Menschheit seit seiner Kindheit: „Eine Mühle ist nicht nur die Stätte, in der Mehl gemahlen wird, sondern sie hat auch ihren festen Platz in Märchen und Kunst.“ Er glaubt: „Eine Mühle in Aktion übt Faszination auf alle aus.“

Thiemanns Interesse für die Mühlen schlummerte allerdings lange Jahre während seiner Berufstätigkeit als Bauingenieur. Erst um 1993 herum erwachte es wieder, als die geplante Restaurierung der alten Holländerwindmühle in Bardowick an den Folgekosten zu scheitern drohte. Für Thiemann eine Initialzündung: Seine intensiven Bemühungen um das Kulturgut Mühle begannen. Ein Jahr später gründeten 38 Bardowicker Bürger den Windmühlenverein Bardowick, Vorsitzender war bis 2003 Heinz Thiemann. Der Verein sei „die treibende Kraft der Mühlenrestaurierung, Ideengeber und Planer“ gewesen, sagt der 81-Jährige, seine erfolgreiche Arbeit Inspiration für weitere Gründungen von Mühlenvereinen in der Lüneburger Region, zum Beispiel des Mühlenfördervereins Lüneburg, unter dessen Trägerschaft das Projekt Niedersächsische Mühlenstraße an der Bardowicker Mühle eröffnet wurde.

Das Ziel der Mühlenstraße wiederum ist es, „das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Kulturgut Mühle wachzuhalten und zu steigern“, so Thiemann. „Im Jahr 2014 sollen 600 Mühlenstandorte aller Nutzungsformen“ durch sie verbunden sein. Die AG befasst sich im Moment mit der landesweiten Vernetzung. Und der Blick geht noch weiter: Thiemann und seine AG-Mitstreiter träumen von einer europäischen Kulturstraße der Mühlen, genannt „Via Molina“. „Wir haben das Projekt schon beim Europäischen Institut der Kulturstraßen in Luxemburg vorgestellt“, sagt Thiemann, „in drei bis vier Jahren wollen wir den Antrag auf Zertifizierung stellen“. Doch wie lange es dauert, bis aus dieser Vision Wirklichkeit wird, weiß auch er nicht.

Die Mühlen der Bürokratie mahlen bekanntlich langsam. 15 Jahre lang war auch die Mühle von Andreas Engel in Oldendorf/Luhe beim Deutschen Mühlentag mit von der Partie, zog immer wieder viele hundert Besucher an — in diesem Jahr bleiben die Türen der Mühle verschlossen. Besitzer Engel bittet dafür um Verständnis. Er verweist darauf, dass seine Mühle ,,in vollem Betrieb“ ist und dass strenge hygienerechtliche Auflagen es ihm nicht mehr gestatten, die Anlage für große Zahlen von Besuchern, wie sie beim Mühlentag zu erwarten sind, zu öffnen.