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Wenn es im Rücken kribbelt

oc Lüneburg. In jüngerer Zeit sah man Rolf Laue oft allein in großen Kirchen. Er stand mitten im Kirchenschiff, lauschte der Stille nach, probierte einen Ton, hörte seinem Verlöschen hinterher, schickte einen weiteren Ton auf die Reise und noch einen und schuf ein Gespinst aus Klang und Ruhe. Der Nachhall, vielen Musikern ein Gräuel, war und ist Rolf Laue ein Freund, er spielt mit ihm. Rolf Laue ist Saxophonist, Jazzmusiker, auch Pädagoge. Am Sonntag, 26. Mai, wird der Lüneburger 70 Jahre alt. Gefeiert wird mit einem Konzert, und bei dem geht es richtig zur Sache, ab 17 Uhr im Kulturforum mit der Bigband Reloaded, am Bariton: Rolf Laue.

Angefangen hat es mit der Musik in seiner Geburtsstadt Hannover — mit Klarinette und Dixieland. Rolf Laue studierte Lehramt, kam als wissenschaftlicher Assistent 1970 zu Musikprofessor Gottfried Küntzel an die Pädagogische Hochschule nach Lüneburg. Später unterrichtete er am Johanneum, heute noch ein kleines bisschen an der Rudolf-Steiner-Schule. Das eigene Musikmachen und das Schaffen von Strukturen für den Jazz bewegten und bewegen Rolf Laue daneben. Er bildete sich fort, setzte sich mit Detlef Schult für die Förderung des Jazz in Lüneburg ein, für Workshops und für die Gründung einer Jazz-Bigband des Landes.

Der Saxophonist Laue war bei Bands wie Well You Needn’t und Ösö de Fö zu hören, und nach einer Phase der Neubesinnung kam er in die Kirche, mit neuen Ideen, mit Klängen des Improvisierens, die ins Meditative gingen. Auch die Verbindung von Chorälen und Jazz, die er mit Organist Tobias Gravenhorst gestaltete, erweiterten den musikalischen Horizont.

„Es kribbelt im Rücken, wenn ich merke, es funktioniert etwas“, sagt Rolf Laue. Das war so, als er beim Abschied vom Grünen Tuch spielte, dem Tuch, das viele Jahre unter der Decke von St. Michaelis aufgespannt war, aus Gründen der Sicherheit. „Ich bin wohl der einzige Musiker, der ganz oben unter dem Dach gespielt hat, auf dem schwankenden Baugerüst“, erinnert sich Laue. Musik von Bach spielte er da. Gekribbelt hat es auch, als er zur Begrüßung von Jimmy Carter vor proppenvoller Kirche spielte, und auch, als er der frühere US-Präsident Dank sagte für die schönste musikalische Begrüßung, die er jemals gehört habe.

Mit 70 stellt man sich schon mal die Frage, wann der günstigste Zeitpunkt zum Aufhören sein mag. Es ist noch nicht so weit. Rolf Laue hat sich neue Impulse beim jüngeren Kollegen Hans Malte Witte geholt. Und er hat das Baritonsax für sich entdeckt. Das spielt er nun bei Reloaded, bei Jazzklassikern sowie Stücken aus Funk und Soul – „und das ist eigentlich das schönste Geschenk, das Bariton in einer guten Bigband zu spielen.“