Aktuell
Home | Lokales | Von Linedance bis zu Feuersprüngen
3265853.jpg

Von Linedance bis zu Feuersprüngen

sel Radbruch. „Samba Step, cross, kick, tscha tscha und jump“, gibt Susanne John die Tanzschritte durchs Mikro an und macht auf der Musikbühne vor, wie’s geht. Rund 40 Linedancer und solche, die es werden wollen, machen auf der Tanzfläche mit, und nach kurzer Zeit wirkt die bunt zusammen gewürfelte Truppe wie ein eingespieltes Ensemble. Das Countryfest in Radbruch ist auch ein Fest für Linedancer, die jedes Jahr kommen, um gemeinsam, aufgestellt „in Linien“, zu der Live-Musik auf der Bühne zu tanzen. Tanzlehrerin Susanne John, die in Radbruch die Linedance-Gruppe „Die Wheel Breaker“ betreut, hat sich zwischendurch kurzerhand das Mikro geschnappt, um Takt und Schrittfolge vorzugeben.

Anschließend übernimmt Hans-Jürgen Hinrichsen, Chef des Radbrucher Country-Clubs Wild West, das Mikro und kündigt mit „Memphis Boulevard“ eine Country-Band aus Dänemark an. „Als ich Memphis Boulevard nach Radbruch eingeladen habe, hatte ich natürlich schon im Gefühl, dass Dänemark in diesem Jahr den ESC gewinnt“, scherzt der erste Cowboy Radbruchs in Anspielung auf den dänischen Siegertitel vom Vorabend beim European Song Contest. Und der Sänger der Band bedankt sich, bevor die Band loslegt, als erstes für die „zehn points aus Germany“.

Rund 4000 Besucher sind in diesem Jahr zum Country-Fest nach Radbruch gekommen. Am Sonnabend, 18. Mai, sind es wegen des schlechten Wetters allerdings „nur“ rund 1000, die die Parade der Oldtimer-Trecker bestaunen. Aber am Sonntag, 19., strömen die Country- und Westernfans in Massen auf den Hof Eggers im Südwesten des Ortes. Unter ihnen auch Manuela Ahmed aus Adendorf mit „Los Prietos“, wie sie scherzhaft erklärt. „Los Prietos“, das sind ihre Enkel Miguel (11) und Leon (13). „Jedes Jahr muss ich mit den Kindern hier hinfahren“, erklärt die jung gebliebene, 53-jährige Großmutter. „Ich find’s gut hier“, liefert Leon die Erklärung gleich mit. „Ich bin schon das vierte Mal hier. Bungee-Jumping und die Indianershow finde ich am besten“, sagt er, während er sich mit anderen Kindern Stockbrot über dem Lagerfeuer backt.

Noch länger, nämlich seit Beginn der Radbrucher Western-Party, kommen Gerlinde Niemann und ihr Mann Manfred. Während sich der 63-jährige Winsener in cooles, schwarzes Leder gekleidet hat, hat seine fünf Jahre jüngere Frau eines ihrer schönsten Sonntagskleider angezogen: ein feines, schwarz-weiß gestreiftes, bodenlanges Kleid mit schmaler Taille und Spitzenbesatz. Schließlich trifft man sich nicht alle Tage zu einem rauschenden Fest. „Wir kommen seit 18 Jahren hierher“, berichten die Niemanns, die mit ihrem Club, den Chattahoochee-Eagles, aus Winsen angereist sind – selbstredend alle im Sonntagsstaat, Marke Wilder Westen.

Währenddessen bereiten sich Amazone Alexandra Krüger und Pferd Tate auf ihre Show mit Feuersprüngen auf dem Reitplatz vor. Schließlich gehören neben Musik, Tanz und Cowboyhüten auch spektakuläre Stunts zum Lebensgefühl des Wilden Westens in Radbruch.