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Alte Technik, die aufs Neue begeistert

kre Artlenburg. Montag, 20. Mai, gegen 14 Uhr: Hans-Jürgen Brügmann blickt skeptisch zum Himmel und seufzt: „Hoffentlich hält das Wetter noch ein bisschen…“ Das Stoßgebet des Müllermeisters wirkt. Denn während in Brietlingen Spaziergänger bereits die Schirme aufspannen müssen, bleibt es im sechs Kilometer nördlich gelegenen Artlenburg tatsächlich noch trocken. Das ist gut für die Besucher des Mühlenfestes und des Oldtimer-Treffens. Und das ist gut für den Mühlenverein. Denn je mehr hungrige Mühlenbesucher kommen und sich an der reichhaltigen Kuchentafel laben, desto mehr Geld kommt in die Kasse des Mühlenvereins – Geld, das notwendig ist für dringende Reparaturen und Investitionen am Artlenburger Wahrzeichen.

„Das ist eine gute Idee, dass sich Mühlenverein und Lüneburger Oldtimerfreunde zum Deutschen Mühlentag gemeinsam präsentieren“, resümieren denn auch Müllermeister Brügmann und der Vorsitzende des Oldtimer-Clubs Lüneburg, Gerd Schlüschen, zufrieden.

Rund 150 Oldtimer geben sich nach Schätzung von Schlüschen unter den großen Jalousieflügeln der Artlenburger Windmühle ein Stelldichein – vom alten BMW-Motorrad über historische Landmaschinen bis hin zum Opel-Monza, Baujahr 1982, von Jens Hagemann. Zugegeben: Eingefleischte Oldtimer-Puristen würden höchstwahrscheinlich die Hände vor das Gesicht schlagen angesichts des Monza-Umbaus. Doch Hagemann gefällt’s – und den meisten Besuchern wohl auch.

So fällt zum Beispiel beim Blick unter die Motorhaube sofort die verchromte Handgranate neben dem Ventildeckel ins Auge: „Keine Angst, die ist bloß Zierde“, beruhigt Hagemann ob des fragenden Blickes. Überhaupt scheint der 36-jährige Maler und Lackierer ein Faible für martialische Accessoires zu haben: Silberne Totenköpfe, Pfeilspitzen und Skelettbilder finden sich unter der Motorhaube ebenso wie „Projektile“ als Schrauben-Abdeckung. Was sagt der TÜV dazu? „Der Prüfer hat erst einmal einen Fotoapparat geholt und Bilder gemacht“, berichtet der stolze Monza-Besitzer. Solche Umbauten bekommen schließlich auch die Prüf-Ingenieure nicht alle Tage zu sehen. Da sind der kleine Kühlschrank in der Rücksitzbank oder die Minibar im Kofferraum – komplett mit Flasche und Gläsern – fast schon gewöhnlich.

Alte Technik ganz anderer Art, aber nicht weniger faszinierend, erwartet die Besucher in der Mühle: Manche sind schon „Stammgäste“, kommen immer wieder gerne, wenn die Mühle ihre Tore öffnet. Brügmann wundert das nicht: „Da werden bei der älteren Generation Kindheitserinnerungen wach“, beobachtet der Müllermeister, „und die Jüngeren finden es einfach nur spannend, wie in früheren Jahrzehnten das Korn gemahlen wurde.“

Doch Wissensvermittlung ist nur das eine. Auf der anderen Seite nutzt der Mühlenverein Veranstaltungen wie den Mühlentag, um durch Kaffee- und Kuchenverkauf Geld in die Kasse zu bekommen. „Die Welle der Windrose muss stabilisiert, die Zentrierrollen müssen gewechselt, die Lager demnächst erneuert werden“, listet Brügmann auf. Alles Investitionen, die dafür sorgen, die Faszination Windmühle zu erhalten.