Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Millimeterarbeit mitten in der Nacht
3265842.jpg

Millimeterarbeit mitten in der Nacht

tja Lauenburg. Ungewohnter Anblick für Autofahrer, die die Berliner Straße (Bundesstraße 5) in Lauenburg in Richtung Osten fahren. Da, wo zuletzt noch die markante Brücke über den Elbe-Lübeck-Kanal stand, klafft plötzlich eine Lücke. In einem wahren Kraftakt wurde die 420 Tonnen schwere Konstruktion in der Nacht zum Sonntag, 19. Mai, in einem Stück „ausgeschwommen“. An der Kaimauer des nahen Umschlagplatzes wird die 1937 montierte Brücke jetzt von beiden Seiten her zeitgleich zerlegt, das Mittelstück soll am Mittwoch, 22. Mai, an Land gehievt werden. Das Material wird recycelt.

„Wir sind sehr zufrieden. Es gab zwar einige Schwierigkeiten, aber die haben wir rechtzeitig gelöst, und man hat sich dieser besonderen Herausforderung des Abbaus eindrucksvoll gestellt“, bilanziert Stefan Lühr, Ingenieur beim Lauenburger Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA). Die Behörde ist Auftraggeber für den Ersatzneubau der Straßenbrücke über den gut 40 Meter breiten Kanal. Lühr: „Mittlerweile traue ich dem Auftragnehmer zu, die neue Brücke zwei Jahre früher fertig zu haben, als wir es ausgeschrieben haben.“ Eigentlich sollen 2017 die ersten Autos und Laster über die neue Brücke rollen. Doch weil alles so gut läuft, könnte das schon 2015 der Fall sein. 17 Millionen Euro zahlt das WSA für das Projekt.

Am Sonnabend ging es zunächst nicht so richtig los. Der mit Wasser gefüllte Schwimmponton lag zu tief im Wasser und hatte Grundberührung. Kurzerhand mussten Stahlträger abgebaut werden, die auf für den Transport auf dem Ponton verstauten Seecontainern lagen. Deshalb war es nötig, die Container neu zu platzieren.

Am Abend passte der Schwimmponton samt der Container dann unter die Brücke. Mit Pumpen wurde das Wasser aus dem Ponton gepumpt, um durch diesen Auftrieb – das geringere Wassergewicht ließ den Ponton steigen – die Stahlkonstruktion anzuheben. An beiden Seiten wurden die Auflager mit Hilfe von Schneidbrennern abgetrennt, um 2.45 Uhr schwamm die Brücke. Um 4 Uhr konnte der Ponton an der Kaimauer des Umschlagplatzes verzurrt werden. „Eine spektakuläre Aktion“, so Lühr. Zahlreiche Schaulustige schauten trotz des Dauerregens von der Behelfsbrücke aus zu.

Gleich nach der Demontage der Brücke wurde am Ostufer das Auflager mit Hilfe von drei Baggern beseitigt. So konnte die Sperrzeit für das direkt daneben verlaufende Bahngleis optimal genutzt werden.

In den kommenden Wochen werden Großbohrgeräte zum Einsatz kommen, die die Fundamente für die neue Brücke in den Boden bringen. Voraussichtlich von November an soll dann die neue Kanalbrücke am Ostufer montiert werden. Sie wird dann im kommenden Jahr in einem Stück bis ans Westufer über den Kanal geschoben und an beiden Seiten verankert.