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Mythos nach Lüneburg holen

akm Lüneburg. Wer glaubt, es sei schwierig, eine Karte für das Finale der Champions League in Wembley zu bekommen, hat nie versucht, das Tomorrowland-Festival im belgischen Boom zu besuchen. Denn das ist nahezu unmöglich. Seit drei Jahren träumt sich Sascha Firtina in die märchenhafte Welt des elektronischen Tanzspektakels, doch auch in diesem Jahr ist der Lüneburger nur einer von zwei Millionen auf der Warteliste. 180 000 Tickets gibt es, Menschen aus 75 Nationen wollen sie kaufen. „Tomorrowland ist ein Mythos“, sagt der 20-Jährige. Und den will Sascha Firtina jetzt nach Lüneburg holen.

Eine Idee, entstanden aus viel Enttäuschung – und ein wenig Leichtsinn. „Wir veranstalten einfach selbst ein Tomorrowland“, beschließt der Abiturient, als er wie viele andere Lüneburger beim Ticketverkauf wieder leer ausgeht. Er verhandelt mit Diskotheken, spricht mit DJs, plant Bühnenbilder, organisiert eine Lasershow. Die Garage gibt schließlich ihre Zustimmung, der Termin steht, seine Freunde ziehen mit. „Zum Glück“, betont Firtina. „Allein hätte ich das nie geschafft.“ Denn die unerfahrenen Party-Veranstalter haben nicht nur ein großes Vorbild, sondern noch dazu ein ihnen unbekanntes. Keiner der Organisatoren hat das Festival jemals live erlebt. Anhaltspunkte über dessen Verlauf geben nur Fotos und Videos. „Der Film vom vergangenen Jahr läuft bei uns in Dauerschleife“, erzählt Emily Dzaebel. Anhalten, abgucken, vergleichen – beim Basteln legen die jungen Lüneburger großen Wert auf die Details. Davon lebe das Tomorrowland schließlich, schwärmt Philipp Aschenbrenner. „Die Deko, diese Bühnenbilder, das ist einfach gigantisch“, sagt der 22-Jährige. In Kombination mit der elektronischen Musik entstehe so eine Atmosphäre, die sich selbst digital zu übertragen scheint. Mehr als 62 Millionen Mal wurde „Aftermovie 2012“ beim Internetportal Youtube bereits geklickt. „Wer den Film einmal gesehen hat, muss da hin“, beteuert Sascha Firtina.

Um diese Atmosphäre annähernd in Lüneburg zu erzeugen, verwandeln die Freunde seit Monaten Regenschirme, Teppichrollen und altes Mobiliar in überdimensionale Zuckerstangen oder Pilze. Mehr als 20 Helfer sind beteiligt. „Anders wäre das gar nicht zu finanzieren“, sagt Sascha Firtina. Schon jetzt hätten die Kosten eine unerwartete Höhe erreicht. Ein Risiko, das der junge Mann allein trägt. Sparen wollte er trotzdem nicht, weder beim eigens angefertigten Bühnenbild, noch bei Schwarzlicht, Feuerwerfern oder Schneekanone. Alles soll perfekt sein, soll so gut wie möglich das Unerreichbare erreichbar machen. Zu spät ist Sascha Firtina das größte Defizit seines Festes bewusst geworden: „Ich werde das Lüneburger Tomorrowland gar nicht genießen können vor lauter Organisation.“

Und noch etwas missfällt ihm. Dass wieder einige vom Märchenland ausgeschlossen sind: „Die Party ist nur für Volljährige.“ Eine Bedingung der Veranstalter und eine neue Herausforderung für den engagierten Lüneburger: „Eine Party für Gäste ab 16 Jahren ist in Planung“, sagt Sascha Firtina.

Info: Die sogenannte Tomorrow Island-Party startet am Sonnabend, 25. Mai, ab 22 Uhr in der Garage. Auf zwei Tanzebenen spielen insgesamt sieben Lüneburger DJs. Der Eintritt beträgt bis 24 Uhr 8 Euro, nach Mitternacht 10 Euro, jeweils inklusive eines Freigetränks.