Aktuell
Home | Lokales | Zaun und Mauer verschlingen 150 000 Euro
3271666.jpg

Zaun und Mauer verschlingen 150 000 Euro

rast Lüneburg. Noch heute wirkt das riesige Gebäude, das 1904/1905 an der Ecke Volger- und Feldstraße errichtet wurde, imposant und geschichtsträchtig. In ihm wurden Anfang des 20. Jahrhunderts ein Altenheim für alleinstehende Frauen und eine Gemeindeschwesternstation untergebracht, somit wurde die bis ins Jahr 1502 zurückreichende Geschichte des Graalstiftes fortgeschrieben. Doch die Anlage des denkmalgeschützten und 2002/2003 restaurierten Gebäudes ist in die Jahre gekommen. Jetzt wird die ebenfalls denkmalgeschützte Einfriedung, die gleichzeitig mit dem Neubau 1904/1905 entstand, wieder auf Vordermann gebracht.

Die Kosten für die Arbeiten an Zaun, Mauer und Pfeiler beziffert Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck mit rund 150 000 Euro: „Das Geld kommt aus dem Haushalt der Stiftung Hospital Zum Graal, Fördermittel fließen nicht.“ Die Restaurierung begann bereits Ende 2012, doch der einsetzende Winter beendete sie. Seit einigen Tagen nun geht es weiter, in einigen Wochen soll alles wieder glänzen. „Rost und Frost haben dem Zaun samt Mauer und Pfeilern stark zugesetzt, vor allem an den Einbindepunkten – also dort, wo der Metallzaun im Pfeiler steckt“, erläutert Suzanne Moenck. Also werden nun Zaun, Mauer und Pfeiler an beiden Seiten der Einfriedung entlang der Volger- und der Gravenhorststraße instandgesetzt. Die Reppenstedter Firma Arwid Schmidt Metallbau hat bereits einige Eisengitter abgebaut. Rost und Lack werden entfernt, Gitter repariert und verloren gegangene Zierelemente werden ersetzt, die Stadtsprecherin: „Dann wird das Ganze verzinkt und wieder lackiert.“

Parallel wurden und werden Mauerteile repariert und neu verfugt. Wo nötig, da werden neue Ziegelsteine eingesetzt. Zudem wird der Efeu entfernt und alles gereinigt. Ist die Mauer saniert, werden die Eisengitter wieder eingesetzt. Suzanne Moenck: „Die Einbindepunkte werden mit Edelstahl versehen, damit sie künftig widerstandsfähiger sind.“

Das Haus war von 1948 an ein Alten- und Wohnheim für alleinstehende Frauen, seit Jahreswechsel 2003/2004 können dort auch Männer einziehen – Anspruch auf eine Wohnung dort haben allerdings nur Menschen, die über ein geringes Einkommen oder einen Wohnberechtigungsschein verfügen. Das hat seinen Grund in der Geschichte: Der 1502 erstmals urkundlich erwähnte Graalstift, einst auch „Haus der Barmherzigkeit“ genannt, kümmerte sich um Menschen, die an Syphillis litten, diente aber schon schnell als Alterssitz. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden im Stift auch die Kohleträgerinnen aus der Saline mit Essen versorgt, im Siebenjährigen Krieg diente es den Franzosen als Lazarett und Feldbäckerei.

Das Graalstift stand zunächst am heutigen Graalwall, also mitten im Senkungsgebiet. Das Hauptgebäude brannte 1552 ab und stürzte ein. 1560 wurde an gleicher Stelle der Neubau fertig und war rund 50 Jahre später wieder einsturzgefährdet, er wurde immer wieder notdürftig stabilisiert. Schließlich wurde das Graalstift im Jahr 1708 abgerissen und komplett neu aufgebaut – allerdings wieder am Graalwall. Erst 1880, als auch dieses Haus abgerissen werden musste, kam die Einsicht: Der Neubau wird auf sicherem Untergrund im Roten Feld errichtet – wo er heute noch steht.