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Cecilia ist ein wahrer Schatz

as Lüneburg. Sie ist ein wahrer Kunstschatz und so alt wie die St. Johanniskirche. Viele Jahre verbrachte die Reliquienbüste der Heiligen Cecilia ihr Dasein im Verborgenen – in den gotischen Schränken der ehemaligen Sakristei von St. Johannis. Nun soll sie mit wertvollen sakralen Tüchern, Altardecken sowie Prunkkissen aus dem Mittelalter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einblicke in die Dauerausstellung „Alte Sakristei“, die am 8. Dezember in der Ursula-Kapelle eröffnet wird, gaben jetzt Superintendentin Christine Schmid, Kathrin Meinecke, Vorsitzende des Kunstausschusses von St. Johannis, sowie die Kunsthistorikerin Dr. Charlotte Klack-Eitzen und die Textilrestauratorinnen Wiebke Haase und Tanja Weißgraf.

Die Geburtsstunde des Projektes „Alte Sakristei“ war 2006. „Im Rahmen der Renovierung von St. Johannis wurden die Schätze wiederentdeckt“, berichtet Superintendentin Christine Schmid. In einem ersten Schritt wurde der Bestand, insgesamt 38 Textilien sowie die Reliquienbüste, erfasst, dokumentiert und der Schadensbefund erstellt. Wiebke Haase spricht von einigen „Hochkarätern“, wie zum Beispiel einer Bursa (einer Tasche für Altartücher) aus Leinen, die reich mit Seiden- und Goldfäden bestickt und von innen mit Leder gefüttert ist. Meisterhaft sei auch ein Kästchen, dessen Holzgestell mit Leinen- und Seidengewebe bezogen ist. „Darin wurden im Mittelalter sakrale Tücher verwahrt.“

Reich verziert sind auch die quadratischen Tüchlein, „Pallae“, mit denen vor Jahrhunderten die Abendmahlkelche abgedeckt wurden. Tanja Weißgraf: „Versehen sind diese wie auch die sakralen Leinentücher, die in Gottesdiensten beim Abendmahl genutzt wurden, mit Stifternamen und Datierungen.“ Ausdruck dafür, dass St. Johannis immer schon eine Bürgerkirche war, so Meinecke.

Auch wunderschöne Ratsherrenkissen werden künftig in Sitzvitrinen gezeigt. „1606 wurden diese anlässlich des 200-jährigen Patronats von St. Johannis angeschafft. Die Größe und prachtvolle Wirkerei der Kissen zeigt den Einfluss und die Macht der Ratsherren“, berichtet Kathrin Meinecke. Ein Großteil der Textilien ist inzwischen gereinigt und gesichert. Als Raum für die Präsentation wurde die Ursula-Kapelle gewählt, die künftig „Alte Sakristei“ heißen wird, „weil in der Sakristei einst alle liturgischen Geräte untergebracht waren“, erläutert Christine Schmid. Die Ursula-Kapelle biete sich für eine Ausstellung aufgrund der Luft- und Feuchtigkeitsverhältnisse besonders an. „Es soll keine abgeschlossene Schatzkammer sein, sondern zugänglich sein für alle Besucher der offenen Kirche. Es geht uns darum, etwas über die Geschichte der Gottesdienste und die Kulturgeschichte des sakralen Kunsthandwerks zu vermitteln. Denn es ist gut zu wissen, was einst heilig war und was uns heute heilig ist.“

Besonderer Blickfang wird die Reliquienbüste der Heiligen Cecilia sein, die laut Dr. Charlotte Klack-Eitzen rund 700 Jahre alt und gut erhalten ist. „Im Mittelalter wurde sie als Zeichen für das Heilige auf dem Altar aufgestellt. Sie wurde angebetet, und man erhoffte sich davon Fürsprache in Notlagen.“ Die Büste barg eine Schädelreliquie, die zerbrochen war „und eventuell der Büste zur Aufbewahrung beigefügt war“, so die Vermutung der Kunsthistorikerin. Inzwischen wurde der Schädel, der von einer Seidenumhüllung umgeben ist, restauratorisch wieder aufgebaut und wird ebenfalls in der Ausstellung präsentiert.

Rund 120 000 Euro kostet das Projekt „Alte Sakristei“. Ein Großteil dafür kam bereits durch Spenden vom Hauptstifter, der VGH, wie auch von der Stadt, Klosterkammer, Landeskirche und Lüneburger Bürgern zusammen. „Über weitere Spenden würden wir uns freuen, die unter anderem für eine Medienstation für Schulklassen gebraucht werden“, sind sich Superintendentin Schmid und Kathrin Meinecke einig.