Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Tollkühne Fahrer in tollen Kisten

akm Lüneburg. Wenn der Fahrer nicht ans Ziel kommt, dann kommt das Ziel dem Fahrer eben entgegen. Nicht Aquaplaning, sondern zu viel Reibung erschwert den Teilnehmern des 11. Seifenkistenrennens in Ochtmissen die Fahrt. Immer langsamer statt schneller rollen die Rennfahrer den Melkberg hinab, kommen kurz vor dem Ziel zum Stillstand. Und weil Schieben abwärts nicht erlaubt ist, wird kurzerhand die Ziellinie um einige Meter nach vorn verschoben. Abwärtsfahrer Kilian ärgert sich trotzdem. Henning Torp, Trainer und Lehrer in Personalunion, baut den Talfahrer auf: „Keiner erreicht heute seine Trainingszeiten.“ Zum ersten Mal tritt der Rennstall der Grundschule Hohnstorf am Melkberg an – gleich bei erschwerten Bedingungen.

Da wundert es nicht, dass das Team Hohnstorf im ersten Durchgang die Fahrbahnpfeile ignoriert und alle Hütchen in entgegengesetzter Richtung ansteuert. „Kleine Irritationen“, witzeln die Moderatoren Heino Reents und Wilko Betlehem am Mikrofon. Disqualifiziert werden die Neulinge deshalb nicht – zu sehr freuen sich die Organisatoren von der Grundschule am Sandberg über neue Rennställe. Denn Nachwuchs ist höchst willkommen beim Jahreshöhepunkt der Schule, betont Arndt Lichternstein, Vorsitzender des Schulfördervereins Ochtmissen: „Das Seifenkistenrennen ist nicht zuletzt unsere wichtigste Einnahmequelle.“ Eine mobile Cocktailbar, Popcorn- und Wurststände sowie ein Buffet mit 60 verschiedenen Kuchen – eine Absage kommt trotz Dauerregens nicht in Frage.

Und so führt die kurvige Rennbahn am Melkberg nicht nur über tiefe Schlaglöcher und eine Reihe von Gullis, sondern auch durch etliche Pfützen. „Eine Strecke für Profis, bei der es auf genaue Bahnkenntnisse ankommt“, kommentieren die Moderatoren und bescheinigen den Flitzern von der Grundschule Sandberg einen klaren Heimvorteil. Doch auch die Hohnstorfer waren vor ihrem großen Auftritt im Trainingslager – am heimischen Deich. „Wir sind gut im Rennen“, behaupten die Fans des kleinen Rennstalls, der bislang nur aus zwei Fahrzeugen besteht: einer Pferdekiste namens Brauner Blitz und dem vielversprechenden Red-Bull-Wagen.

Insgesamt 13 Teams der Grundschulen Hohnstorf , Vögelsen, Handorf, der St.-Ursula-Schule, der Schule am Sandberg und der Hermann-Löns-Schule treten in diesem Jahr gegeneinander an. Das Reglement ist streng festgeschrieben: Vier Schüler stellen eine Mannschaft, bei der Bergfahrt sitzt ein Fahrer am Steuer und wird von zwei Schiebern durch den Parcours hinaufgeschoben, ein zweiter Fahrer steuert die Seifenkiste bei der Talfahrt. Die Zeiten aus Tal- und Bergfahrt werden schließlich zum Endergebnis addiert. Alle Teilnehmer tragen das offizielle Rennshirt des Hauptsponsors, die Piloten haben Helm-, Ellenbogen- und Handschützer-Pflicht. In der Kurve schützen Heuballen die Schussfahrer.

Was in diesem Jahr eher Dekoration ist, hat sich bewährt: „Da sind schon etliche Kisten reingedonnert“, erzählt Heino Reents. Mit seiner Einschätzung des alles entscheidenden Heimvorteils behält der Kommentator schließlich Recht. Die schnellsten Regen-Rennfahrern stellt der Organisator des Seifenkistenrennens selbst: Gold und Bronze gehen an zwei Rennställe der Grundschule am Sandberg. Mit nur fünf Sekunden Abstand zum Siegerteam erkämpft sich ein Team aus Vögelsen die Silbermedaille. Weit abgeschlagen zeigen die Hohnstorfer dennoch Kampfgeist: Im nächsten Jahr sind sie wieder dabei.