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Deutsch-deutsche Spurensuche

ina Breetze. Nicht nur Sammlerherzen schlagen hier höher: Zwischen Bücherwänden und großgerahmten Fotos finden sich auf dem Hof Tipke in Breetze auch zahlreiche Erinnerungen an die Zeit der DDR. „Unser Vater hat diese Sachen gesammelt“, erklärt Irina Tipke. Gemeinsam mit Schwester Maren und Mutter Erika organisiert sie auch Flohmärkte auf dem Hof, doch eigentlich stoßen Sammler in Breetze auf das möglicherweise kleinste DDR-Museum der Welt.

Der vor zweieinhalb Jahren gestorbene Ernst Tipke war als verdienter Bürger der Region bekannt. Als Vorsitzender des Kreisjugendrings, stellvertretender Bürgermeister in Barendorf und Lektor der St.-Jakobi-Kirchengemeinde hatte er sich über Jahrzehnte einen Namen gemacht. Für sein Engagement wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Kultur- und Heimatkreises Bleckede ernannt und mit der Ehrenmedaille der Stadt Bleckede ausgezeichnet.

Vor drei Jahren eröffnete Ernst Tipke mit seiner Frau Erika die „Hermann-Collitz-Bücherstube“ im Geburtshaus des Sprachwissenschaftlers. Darüber hinaus engagierte sich Tipke in der Rumänienhilfe Bleckede und beim Aufbau einer Partnerschaft mit einer Kirchengemeinde in Äthiopien.

Als Leiter der damaligen Heimvolkshochschule im Schloss Bleckede informierte er zum Thema „Deutsch-deutsche Begegnungen“ und bot Führungen entlang der innerdeutschen Grenze an.

Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Erinnerungsstücke, die heute noch auf dem Hof zu sehen sind. „Nach der Maueröffnung nahm mein Vater unter anderem Schilder mit, weil sie sonst sicher weggeworfen worden wären“, sagt Maren Tipke-Donat.

Neben Hinweistafeln, Uniformen und Spielen finden sich im Fundus auch Exemplare rumänischer Volkskunst. „Unser Vater war mehrmals in Rumänien, weil unser Großvater Christian Tipke 1944 dort als vermisst gemeldet worden war.“ Ernst Tipke betrieb Familienforschung und suchte zahlreiche in der Feldpost erwähnte Plätze auf. Wo sein Vater bestattet wurde, ist nach wie vor unklar.

Die gerahmten Bilder zeigen ehemalige Bundespräsidenten wie Gustav Heinemann, Richard von Weizsäcker, Walter Scheel. Im kleinen Büro des Verstorbenen hängt noch immer das Portrait von Johannes Rau. „Der rief sogar meinen Vater persönlich an, weil der ihm einen Brief geschrieben hatte“, erinnert sich Maren Tipke-Donat. „Er hatte eine Nachfrage, und mein Vater musste sich vor Aufregung erst mal hinsetzen.“

Zwischen den Büchern findet sich eine handsignierte Ausgabe vom früheren Kanzler Willy Brandt, aber auch regionale Ausgaben über die Arbeit des aus Bleckede stammenden Prähistorikers Gustav Schwantes und den Holzbildhauer und Maler Otto Flath. Aus Flaths Hand stammt unter anderem der „Verkündigungsaltar“ in der Kirche Alt-Garge – in der auch die Trauerfeier für Ernst Tipke stattfand. Bestattet wurde Ernst Tipke jedoch auf dem Breetzer Telegrafenberg. Seine Tochter Irina weiß warum: „Von dort kann man bis hinüber nach Boizenburg sehen. Das ist ein Blick, den er auch zu Lebzeiten liebte.“

Wer Interesse am Fundus und den seltenen Stücken hat, kontaktiert die Familie im Internet: www.hofmarkt.tipke.eu.