Donnerstag , 29. September 2016
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Bildung als weißes Gold der Neuzeit

rast Lüneburg. Die Weiterbildung im Jahre 2063 wird eine europäische sein, die allerdings auf regionalen Angeboten basiert und noch stärker die gesamte Lebensbiographie bestimmt, noch stärker auf Ältere abgestimmt sein wird: „Das Leben ist mit 67 Jahren nicht zu Ende.“ Zwar wird jeder Mensch in 50 Jahren mit einem technischen Sprachenübersetzer durch die Straßen gehen. Doch zwei Konstanten der Volkshochschulen bleiben: „Das Lernen und die Weiterbildung bleiben sozial und die Erwachsenenbildung bleibt kommunal, denn die Menschen suchen Konstanten – und das sind die Städte und Gemeinden, Orte, an denen Menschen Identität finden.“ Dieses Bild zeichnete jetzt Dr. Ernst Dieter Rossmann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Volkshochschulverbandes, in der Handwerkskammer zur Eröffnung der 50. Bundeskonferenz mittelstädtischer Volkshochschulen. Die bis einschließlich Mittwoch, 29. Mai, dauernde Jubiläums-Konferenz, ausgerichtet von der VHS Region Lüneburg, steht unter dem Motto „Das Salz in der Suppe“.

90 Leiterinnen und Leiter tauschen in Lüneburg ihre Erfahrungen aus und informieren sich über neueste Entwicklungen in der Erwachsenenbildung. Dazu haben sie namhafte Referenten wie die Zukunftsforscher Prof. Dr. Gerhard van Haan und Prof. Dr. John Erpenbeck eingeladen. Erster Referent gestern war Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der auf den einstigen Reichtum der Stadt durch das Salz einging: „Das weiße Gold der Neuzeit ist die Bildung.“ Er ging auf die „vielen positiven Meldungen aus der Leuphana Universität“ ein und würdigte die „gesamtwirtschaftliche Verantwortung“ der Volkshochschulen.

Für die VHS in Trägerschaft von Hansestadt und Landkreis sagte Mädge: „Das lebenslange Lernen ist auch Garant für den Erfolg der hiesigen Wirtschaft.“ Jährlich machten hier 150 Teilnehmer ihren Schulabschluss: „Jeder hat einen Anspruch auf Bildung, unabhängig von seinem Schulabschluss, seinem Alter, seiner Herkunft, seiner finanziellen Situation. Wir müssen die Chancengleichheit in der Region fördern.“ Dass das „Bedürfnis nach Weisheit“ vorhanden sei, belegten Zahlen: Im vergangenen Jahr hätten sich 49 Prozent aller Deutschen im Alter zwischen 18 und 54 Jahren weitergebildet. Der Oberbürgermeister bezeichnete sich selbst als „Kind des Hauses“: Bei der VHS hatte er den Beruf des Verwaltungskaufmanns erlernt, war hier selbst als Lehrer aktiv.

Dr. Martin Dust, Referatsleiter Weiterbildung im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, erinnerte an den ersten Lüneburg-Besuch des Schriftstellers Heinrich Heine im Mai vor 190 Jahren und dessen Zitat, in dem er Lüneburg als „Residenz der Langeweile“ titulierte. Das ist längst passé: „Lüneburg hat sich von der Salzmetropole zur Stadt der Bildung, Wissenschaft und Kultur entwickelt.“ Dust lobte die Arbeit der niedersächsischen Volkshochschulen, die in vielen Punkten Vorreiter waren. Sie hätten bezahlbare Angebote für Menschen geschaffen, ermöglichten ihnen die gesellschaftliche Teilhabe. Er ging auch auf den Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung ein, der über kurz oder lang kostenfreie Angebote für Bereiche wie die Alphabetisierungskurse und Schulabschlüsse vorsehe.

60 Volkshochschulen gibt es aktuell in Niedersachsen, Fusionierungen stünden aber an, sagte Veronika Jäger, Direktorin der Landesverbands der Volkshochschulen. Sie böten jährlich 2,2 Millionen Unterrichtsstunden in 62 000 Kursen an. Dafür erhalten sie vom Land 23 Millionen Euro. In einem Perspektivvertrag hat das Land bereits die Sicherstellung dieser Zuschüsse zementiert. Der Landesverband allerdings hat sich für eine Aufstockung um 500 000 Euro pro Jahr bis 2015 ausgesprochen. Sie wies wie auch der Lüneburger VHS-Leiter Gerhard Cassens auf die wachsende Konkurrenz im Bildungsbereich hin.