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Kalkberg-Retter geht auf Reise

rast Lüneburg. Ganz behutsam stellt Christina Broesike, Kuratorin für Naturkunde, die Büste fürs LZ-Foto auf einen Sockel im neuen Lüneburger Museum. Schließlich zeigt das dunkelgraue, fast schwarze Kunstwerk nicht irgendeinen Kopf, sondern den des Kalkberg-Retters Eduard Schlöbcke. Die Büste geht jatzt auf Reisen, in den nächsten sechs Wochen steht sie Modell für eine Kopie, die Manfred Wittkamp und sein Bleigießerei-Team in Elmenhorst bei Schwarzenbek fertigen. Das rund 2500 Euro teure Duplikat wird danach den Schlöbcke-Brunnen am Fuße des Kalkbergs schmücken – ein Verdienst des Bürgervereins Lüneburg.

Der Bürgervereinsvorsitzende Rüdiger Schulz weiß: „Schlöbcke haben wir zu verdanken, dass die Reste des Kalkbergs nicht völlig abgetragen wurden.“ Der Lüneburger Regierungs- und Baurat Schlöbcke schrieb bereits in seinem 1928 veröffentlichten Buch „Der Kalkbergführer“: „Der Kalkberg und der Gipsbruch sind ein großartiges Anschauungsmaterial aus der Urzeit, der Vorzeit und der Jetztzeit. Sie dürfen uns keine Totenkammer sein mitten im uns umgebenden Leben.“ Während seiner Amtszeit, vor allem aber im Ruhestand setzte er alles daran, das Naturdenkmal Kalkberg für die Nachwelt zu erhalten. Ihm zu Ehren wurde am Hauptweg zum Kalkberg mit dem Bau des Denkmals begonnen, das aus einem Brunnen, der Büste und einer Gedenktafel bestand. Die Einweihung war für den 84. Geburtstag von Schlöbcke am 17. August 1936 vorgesehen. Die erlebte er nicht mehr, er starb im März 1936.

Rüdiger Schulz fiel das heruntergekommene Denkmal bereits 2004 auf: „Es war völlig zugewuchert, es kam kein Tropfen Wasser heraus.“ Fortan kümmerte sich der Verein um Spenden, fand neben Großspendern wie der Sparkassenstiftung und dem Wasserversorger Purena auch viele private Kleinspender, sodass der Brunnen seit Oktober 2012 in neuem Glanz samt Gedenktafel mit der Inschrift „Reg. – und Baurat Ed. Schlöbcke – geb. 17.8.1852 gest. 19.3.1936 – Verdienstvoller Förderer der Erhaltung des Kalkbergs“ erstrahlt. Investiert wurden knapp 20 000 Euro.

„Allein es fehlte der Kopf von Schlöbcke“, sagt Schulz, er kennt den Grund: „Die Bronzebüste war zwei Mal Opfer von Zerstörungswut. Sie wurde in der Nacht zum 1. August 1962 vom Sockel gerissen und tauchte erst im Oktober 1962 in einem Tümpel wieder auf. Sie kam wieder auf den Sockel, wurde aber im März 1994 erneut runtergerissen und wenig später in der Dörnbergstraße wiedergefunden.“ Danach wurde der vom Lüneburger Notar und Künstler Wellmann gestaltete Kopf an einen sicheren Ort gebracht – ins damalige Stadtgartenamt, in den 1980er-Jahren dann ins Naturmuseum und von dort aus ins neue Museum an der Wandrahmstraße.

Der Bürgerverein setzte sich erneut mit dem Lüneburger Steinmetz Holger Dörries zusammen, einem Nachfahren des Bildhauers Dörries, der damals die Brunnenanlage errichtet hatte. Holger Dörries kontaktete Manfred Wittkamp, mit dem er bereits seit 20 Jahren zusammenarbeitet. Dörries: „Es ist die einzige Gießerei im Norden, die für die Arbeit in Frage kommt – und günstiger als Gießereien aus dem Süden. Sie hat für das Abformen, Gießen, Zieselieren und Patinieren des Duplikates sechs Wochen veranschlagt.“ Die Kosten sind mit rund 2500 Euro angegeben, Rüdiger Schulz: „Einen Teil des Geldes haben wir bereits zusammen, uns fehlen aber noch Spender.“