Donnerstag , 29. September 2016
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„Arche-Region“ hat bald ein Zentrum

pet Neuhaus. Noch ist richtig viel zu tun. Um das Haus herum sieht es so aus, wie es auf einer Baustelle eben aussieht. Im „Haus des Gastes“ selbst wird gebohrt, geschraubt, gemalt und gehämmert. Aber der Eröffnungstermin für das „Archezentrum“ in Amt Neuhaus steht schon fest: Sonnabend, 22. Juni. Ab dann können sich Besucher dort über die Vielfalt der „Arche-Region Flusslandschaft Elbe – Amt Neuhaus“ informieren. Als erste Kommune Deutschlands war Amt Neuhaus Anfang 2011 zur „Arche-Region“ erklärt worden – ausgezeichnet für das Engagement zum Schutz gefährdeter Nutztierrassen und Nutzpflanzen und die guten Lebensbedingungen für seltene Wildtiere.

Touristen sollen künftig im „Haus des Gastes“ informiert und unterhalten werden – und die Menschen aus Neuhaus und Umgebung. „Auch die Bürgerinnen und Bürger aus der Region sollen etwas lernen können über die Landschaft, in der sie leben, und darüber, wie sie sich entwickelt hat“, betont Maja Züghart vom Fachdienst Umwelt des Landkreises Lüneburg.

Mit einem Überblick über das Biosphärenreservat, die Historie des Hauses und die Geschichte des Amtes Neuhaus beginnt die Ausstellung im Erdgeschoss. Wer einen dort stehenden dekorativen Schrank öffnet, kann sich außerdem von „plattdeutschen Traditionen“ aus der Region überraschen lassen.

Weiter geht es ins Obergeschoss, wo Besucher etwas über die „Arche-Region“ und die mitarbeitenden Betriebe erfahren. Und über die Vielfalt von Flora und Fauna – über Rinder, Schweine und Schafe ebenso wie über Eulen, Fledermäuse und Bienen. Und über Getreide und Kräuter. Erklärt wird etwa, „wo unsere Nutztiere überhaupt herkommen, teilweise auf natürlichem Weg, teilweise von Menschen beeinflusst“, erzählt Peter Neudert von „impuls-design“ aus Erlangen, zuständig für die Konzeption des Hauses.

Eine Grundregel für die Gestaltung, so Maja Züghart: „In jedem Raum gibt es ein interaktives Angebot. Die Besucher sollen nicht nur durch Lesen lernen können, sondern auch durch die Sinne.“ Wer möchte, kann ausprobieren, wie sich das Fell einer Thüringer Waldziege anfühlt, das eines Milchschafs oder einer gehörnten Heidschnucke. Oder er kann heimische Gerüche erschnüffeln wie Thymian oder Schnittlauch.

Ein ganz besonderer Raum für die Einheimischen soll das Kinderkrankenzimmer des ehemaligen Krankenhauses sein, wo die vor Jahrzehnten an die Wände gemalten Märchenszenen wie Rotkäppchen und Aschenputtel erhalten wurden. „Das war uns als Gemeinde wichtig, wir sind sicher, das werden viele Besucher wiedererkennen“, sagt Bettina Blankenhaben, die das Projekt von Seiten der Gemeinde Amt Neuhaus betreut hat.

Zwischen 1731 und 1734 war das heutige „Haus des Gastes“ am Markt erbaut worden, zuletzt war es als Krankenhaus (bis 1992) und als Provisorium für die Grundschule genutzt worden. 1999/2000 folgte eine aufwändige Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, in dem die Touristinformation untergebracht ist. Für das Obergeschoss reichte das Geld nicht.

Glücklich über die Gestaltung des Hauses sind so auch die Verantwortlichen der Gemeinde Amt Neuhaus. Schon bei Beginn der Bauarbeiten hatte Bürgermeisterin Grit Richter gesagt: „Das hätten wir als Gemeinde nicht geschafft.“ Etwa 500 000 Euro werden in das Projekt „Archezentrum“ investiert – in die Restaurierung und die Ausstellung. Geldgeber sind das Land Niedersachsen, die Europäische Union, der Niedersachsen-Hamburg-Fonds und der Landkreis Lüneburg, der 60 000 Euro beisteuert.

Mit einem Fest soll das „Archezentrum“ am 22. Juni eingeweiht werden – und nicht nur im Haus soll es dann reichlich zu sehen geben. Schafe, Ziegen und Geflügel werden sich rund um das Haus tummeln, Ponyreiten ist geplant. Ein Huhn und seine Küken sind bereits vor Ort – ein „Deutsches Reichshuhn“ hat Eier eines „Deutschen Lachshuhns“ ausgebrütet, alle gemeinsam tummeln sich in einem Stall, erzählt Siegrun Hogelücht von der Touristinformation. „Es ist wichtig, dass wir auch Lebendiges zeigen.“