Dienstag , 27. September 2016
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Die Wege zur Brücke

ml Lüneburg. Streit ist programmiert am Donnerstag, 6. Juni, im Gymnasium Bleckede – allerdings nicht über die Bildungspolitik, sondern über die geplante Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau. Als Teil des Raumordnungsverfahrens beginnt um 16.30 Uhr der Erörterungstermin über die mögliche Verkehrsführung des auf 45 Millionen Euro veranschlagten Projektes.

Um 16.30 Uhr beginnt aber auch die Leidenszeit von Jürgen Krumböhmer. Lüneburgs Erster Kreisrat fürchtet eine Grundsatzdebatte über das Für und Wider des Brückenbaus, „dabei geht es beim Erörterungstermin ausschließlich um mögliche Trassen, nicht um eine grundsätzliche Genehmigung der Brücke“.

Nur haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass, wer über die Brücke spricht, gleichzeitig auch Sinn und Unsinn des Bauwerkes diskutiert, das mitten im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue entstehen soll. Seit 2001 wird die Brücke geplant, inzwischen im zweiten Anlauf, – und ebenso lange schwelt der Streit.

Und als mache dies die Situation nicht schon kompliziert genug, wird in Bleckede auch eine Variante erörtert, die es eigentlich nicht geben soll – die Verkehrsführung durch den Ort Neu Darchau. Im Januar 2009 haben die Kreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg sowie die Samtgemeinde Elbtalaue und die Gemeinde Neu Darchau den sogenannten Brückenvertrag unterzeichnet. Darin wird eine Brückentrasse durch den Ort ausgeschlossen, der Kreis Lüneburg als Vorhabenträger auf eine Umfahrung Neu Darchaus festgelegt. „Rechtlich geht es im Raumordnungsverfahren jedoch darum, die beste Trasse zu finden“, sagt Krumböhmer, „und dabei darf keine Möglichkeit ausgeschlossen werden.“

Auf den ersten Blick spricht vieles für die Verkehrsführung durch den Ort. „Die Trasse ist am umweltverträglichsten, günstigsten und beeinträchtigt das Landschaftsbild am wenigsten“, listet der Erste Kreisrat auf. Und: „Schon im ersten Raumordnungsverfahren ist diese Verkehrsführung als die beste festgestellt worden.“ Werde die Trasse nun nicht genommen, „braucht es vor Gericht gute Argumente, und die sind Thema beim Erörterungstermin“, sagt Krumböhmer.

Gute Argumente gibt es denn auch für die Ortsumfahrung. Der Erste Kreisrat betrachtet beide Varianten als fast gleichwertig. Denn während die rund 800 Meter lange Ortsumgehung vor allem über Wiesen führt, muss bei der Brückenzufahrt durch den Ort der Kateminer Mühlenbach überquert werden. „Und das kann erhebliche Auswirkungen auf Biber, Fischotter und andere Tierarten von hoher Bedeutung haben, die dort leben“, so Krumböhmer. Auch werde der Verkehr bei dieser Variante aus dem Ort herausgehalten, fließe besser ab, die Unfallgefahr sinke.

Auf den Tisch kommen bei dem Erörterungstermin aber auch die 17 Stellungnahmen, die Privatpersonen, Behörden, Vereine und Verbände bis Anfang Februar beim Landkreis Lüneburg abgegeben haben. Fünf stammen von Privatpersonen, sechs von sogenannten Trägern öffentlicher Belange wie der Biosphärenreservatsverwaltung, vier von Umweltverbänden und zwei von Kommunen, dem Kreis Lüchow-Dannenberg und der Gemeinde Amt Neuhaus. Die Gemeinde Neu Darchau hat keine Stellungnahme abgegeben.

Zur Verkehrsführung äußern können sich beim Erörterungstermin aber auch Zuhörer, die sich schriftlich nicht zu Wort gemeldet haben. „Bedenken, zum Beispiel von Anwohnern, werden dokumentiert und abgearbeitet“, kündigt Krumböhmer an. Moderiert wird die Veranstaltung von Wolfgang Kallweit, Fachbereichsleiter Ordnung und Umwelt beim Landkreis.

Abgeschlossen werden soll das Raumordnungsverfahren im September mit der Landesplanerischen Feststellung. Darin ist festgelegt, in welchem Korridor die Brücke weiter geplant wird.