Aktuell
Home | Lokales | Rülpsen durchaus erwünscht
3290255.jpg

Rülpsen durchaus erwünscht

akm Lüneburg. Wer glaubt, das Mittelalter sei düster und trostlos gewesen, der hat diese Epoche noch nicht aus den Augen von Kirsten Boie betrachtet. Ob rülpsende Fürsten beim Festmahl, verschlafene Ritter ohne Nachtgewand oder Plumpsklos an der Burgrückseite – die Kinderbuchautorin weiß viel Erheiterndes aus der fernen Zeit zu berichten. Im Rahmen der Aktionswoche „Lüneburg liest!“ erzählt Kirsten Boie im fast ausverkauften Glockenhaus aus dem abenteuerlichen Leben ihres Helden Ritter Trenk. Zum siebten Mal hat das Netzwerk Leseförderung die Aktionswoche auf die Beine gestellt, zum siebten Mal konnte Kirsten Boie als Schirmherrin gewonnen werden.

Die Hamburger Autorin hat sich das Thema Leseförderung schon länger auf die Fahne geschrieben. „Lesen ist und bleibt eben die Schlüsselqualifikation zur gesellschaftlichen Teilhabe“, sagt die 63-Jährige. Gleichzeitig reiche der Lesestoff in den Schulen nicht aus. In ihrer fast 30-jährigen Schriftstellerkarriere habe sie eine beunruhigende Entwicklung erlebt: „Die Schere zwischen denen, die zu Hause lesen, und denen, die es nicht mehr von ihren Eltern lernen, geht immer weiter auseinander.“ Und je später die Leseförderung einsetze, desto schwieriger sei es, Kinder zum Lesen zu animieren. Insbesondere angesichts einer wachsenden Verlockung, die von konkurrierenden Medien ausgehe.

In einem aber stünden Computer und Co. dem Medium Buch nach, ist sich Kirsten Boie sicher: „Ich glaube, dass Lesen die Empathiefähigkeit fördert.“ Schließlich versetzte sich ein Leser immerzu in die Gedanken- und Gefühlswelt seiner Helden. So auch bei ihrer Lesung im Glockenhaus, wie die lauten Ausrufe des Entsetzens, der Verwunderung oder der Belustigung belegen. Etwa darüber, dass das Furzen zu Tisch erbeten war, Eiweiß dazu diente, die Haare zu stylen, oder Menschen freiwillig in Drachenblut baden wollten.

„Ritter Trenk und fast das ganze Mittelalter“ heißt das Buch, in dem Kirsten Boie die Abenteuer eines jungen Ritters mit allerhand Sachwissen aus dem Leben im Mittelalter verknüpft. Wissen, das Boie sich selbst erst aneignete, als ihre Helden in der gleichnamigen Zeichentrickserie Gestalt annahmen. So schnell wird sie das Mittelalter nun wohl nicht mehr loslassen. „Bald gibt es Ritter Trenk auch im Kino“, verrät sie ihren Zuhörern im Glockenhaus als exklusive Neuigkeit.

Am Donnerstag, 30. Mai, gibt es bei „Lüneburg liest!“ unter anderem eine Leserallye für Sechstklässler der Oberschule Adendorf.