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Ein sicherer Ankerplatz

as Lüneburg. Ein Zuhause ist für Klaus-Dieter Bloch das Wichernhaus, der dort seit 21 Jahren lebt. „Hier möchte ich bleiben, weil es eine Brücke in das öffentliche Leben ist“, sagt der 49-Jährige. Schritt für Schritt habe er hier gelernt, ein Stück Selbstständigkeit zu leben.

Das Wichernhaus ist eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen, die noch nicht alleine oder nicht mehr alleine leben können. Am 1. Oktober 1973 wurde es eröffnet. Das 40-jährige Bestehen wird mit vier Veranstaltungen gefeiert (siehe unten). Los geht es mit dem Frühlingsfest am Freitag, 31. Mai, zu dem auch alle Interessierten von 16 bis 18 Uhr eingeladen sind.

Klaus-Dieter Bloch hat als Kind und Jugendlicher erst bei seiner Mutter, dann bei seinem Vater und schließlich wieder bei der Mutter in Scharnebeck gelebt. Nach der Realschulzeit sei sein Leben „entgleist“, berichtet er. Mit 18 Jahren kam er in die Psychiatrie, war stationär bei mehreren Aufenthalten im damaligen Lüneburger Landeskrankenhaus (LKH) untergebracht. Seit 1992 ist er Bewohner des Wichernhauses, wo er sich aufgenommen fühlt. Für ihn ein sicherer Ankerplatz, der ermöglicht, sich nach draußen zu bewegen und am Miteinander teilzuhaben, beschreibt er. „Von Montag bis Donnerstag arbeite ich in den Werkstätten der Lebenshilfe.“ Zum Arbeitsplatz fährt er mit dem Stadtbus – nur ein Stück Eigenständigkeit. „Ich habe auch gelernt, mein Tagesprogramm selber zu strukturieren“, sagt er. Dazu gehört auch, dass er freitags immer sein Zimmer auf Vordermann bringt und sich an diesem Tag mit seiner Betreuerin austauscht. Am Wochenende nimmt er gerne an Ausflügen teil, die das Wichernhaus anbietet. Immer dabei hat er seine Kamera, denn Klaus-Dieter Bloch ist leidenschaftlicher Hobby-Fotograf, „am Computer bearbeite ich dann die Bilder“. Gruppenaktivitäten sind ihm wichtig, betont er ausdrücklich. Dabei würde er sich noch ein stärkeres Miteinander von Bewohnern und Betreuern wünschen. Für soziale Kontakte nach außen nutzt er auch seine Mitgliedschaft im Kanu-Verein.

Klaus-Dieter Bloch ist einer der 46 Bewohner des Wichernhauses, das weitere acht Wohnplätze in einem Haus an der Kefersteinstraße bietet. „Außerdem betreuen wir 30 Menschen ambulant in Wohnungen und Wohngruppen“, erläutert Leiter Michael Poth. Entstanden war die Einrichtung auf Initiative von Helmut Drewes, ehemaliger Seelsorger im Landeskrankenhaus. Er gründete den „Verein zur Hilfe für seelisch Behinderte“, der Träger des Wichernhauses war. „Langzeitpatienten des LKH sollten damit wieder in die Gesellschaft integriert werden“, sagt Poth.

Am 1. Oktober 1973 zogen 32 Bewohner in das Haus an der Wichernstraße, das durch einen Erweiterungsbau im Jahr 1980 insgesamt 45 Plätze bot. 1997 kamen die Wohnplätze in der Kefersteinstraße dazu. 2007/2008 wurde der Komplex um einen weiteren Bau vergrößert, der Räume für die Tagesstruktur und Gemeinschaftsräume schaffte. Nach einem Brand, bei dem ein Bewohner ums Leben kam, wurde der alte Trakt 2009/2010 saniert. Im Oktober 2010 erfolgte die Fusion mit dem Herbergsverein.

Neben Wohnplätzen bietet das Wichernhaus in der heiminternen Tagesstruktur auch Beschäftigungsangebote für diejenigen, die aufgrund ihrer Erkrankung keiner Arbeit außerhalb des Hauses nachgehen können. Dazu gehören Hand-, Garten- und Holzarbeiten wie auch kreatives Gestalten in Begleitung von Ergotherapeuten und Therapeuten.