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Mehr Abstand zur Wohnbebauung

Eine Ratssitzung im Landkreis Lüneburg, die sich nicht mit dem Thema Windkraft beschäftigt – in diesen Wochen, da die Kommunen ihre Stellungnahmen zur Regionalen Raumordnungsplanung des Landkreises abgeben müssen, kaum denkbar. Jetzt haben sich die Räte der Samtgemeinden Dahlenburg und Amelinghausen mit dem heißen Thema befasst – immer auch unter den kritischen Augen der Bürgerinitiativen

pet Dahlenburg. Über eines sind sich die Mitglieder des Rates der Samtgemeinde Dahlenburg alle einig: Mit 27 Windrädern von insgesamt 65 Windrädern im Landkreis Lüneburg haben die Dahlenburger ihren Anteil an der Energiewende eigentlich schon geleistet. Dennoch mussten sich die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung im Gasthaus Adam mit möglichen weiteren Anlagen beschäftigen – mit dem Ergebnis, der Absicht des Landkreises, auf dem Samtgemeindegebiet zwei weitere Vorrangflächen bei Köstorf und bei Boitze auszuweisen, zuzustimmen. Bei Köstorf könnten so drei bis vier weitere Anlagen entstehen, bei Boitze im Rahmen des „Repowering“ auf lange Sicht vorhandene Anlagen durch leistungsstärkere ausgetauscht werden.

Allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung. Während der Landkreis den Abstand zwischen Windkraftanlagen und bebauten Flächen je nach Art und Dichte der Bebauung staffeln will, sehen das die Dahlenburger Ratsmitglieder anders. Der Landkreis sieht zum Beispiel als Mindestabstand zu „Splittersiedlungen“ und „Einzelwohnanlagen“ nur 500 Meter vor, zu Mischgebieten 800 Meter.

Der Beschluss des Dahlenburger Samtgemeinderats – gefasst bei einer Neinstimme und zwei Enthaltungen – lautet nun, der Rat „folgt dem Vorschlag des Landkreises Lüneburg, jedoch mit folgender Abstandsregelung: Sowohl zu reinen, allgemeinen Wohngebieten sowie zu dörflichen Siedlungen, fremdenverkehrsbetonten Siedlungen, Campingplätzen, Mischgebieten und Einzelhäusern soll pro Meter Anlagenhöhe fünf Meter Abstand gehalten werden, mindestens jedoch 1000 Meter.“

SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp, gleichzeitig Chef der SPD-Fraktion im Lüneburger Kreistag, plädierte dafür, „diese zwei Flächen hinzunehmen, aber an der Abstandsregelung zu drehen. Ob wir damit durchkommen, müssen wir sehen“. Abzuwägen und zu entscheiden habe der Landkreis, vielleicht werde die Angelegenheit auch vor Gericht entschieden werden.

Für die CDU erklärte Uwe Meyer, dass man bei der Beschlussvorlage, die die Flächen bei Boitze und Köstorf als Vorrangflächen akzeptiert, bleiben wolle. Jens-Peter Finck, Fraktionsvorsitzender der Grünen, wies darauf hin, dass sich auch in der Arbeitsgruppe der Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis die 1000-Meter-Regelung durchgesetzt habe. Alle Fraktionen eint die stille Hoffnung, dass am Ende gar keine neuen Anlagen in der Samtgemeinde Dahlenburg entstehen werden.

Direkt vor dem Samtgemeinderat hatte an gleicher Stelle schon die Bürgerinitiative „Windkraft mit Vernunft“ zu einer Informationsversammlung eingeladen. Die BI ist generell gegen weitere Windanlagen in der Samtgemeinde, auch weil ihr ein Gesamtkonzept für den Ausbau der Windenergie fehle und zudem das Problem des Speicherns von Strom nicht gelöst sei. „Wir haben die Hälfte der Anlagen im Landkreis, das ist genug“, sagt Sprecherin Elke Allers. Ins Gespräch brachte die BI, statt der Vorrangfläche bei Köstorf lieber die Fläche Horndorf-Nord näher zu untersuchen, „weil dort weniger Bürger betroffen sind“. Mit dieser Idee mochten sich die Ratsmitglieder aber nicht anfreunden.

Im Anschluss an die Samtgemeinderatssitzung übergaben dann Elke Allers und Christiane Kause von der BI 164 Einwendungen gegen die Pläne des Landkreises von Bürgern aus Dahlem sowie 99 aus Nahrendorf an Kerstin Roloff, zurzeit Chefin der Dahlenburger Samtgemeindeverwaltung.