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Zusammen auf einer Wellenlänge

emi Tespe. Stundenlang haben sie das Segelboot zusammen abgeschliffen, geputzt und bemalt, nun ließen sie die „Number One“ am Steg des Segelclubs Tespe erstmals gemeinsam zu Wasser: Die Förderschüler der Klasse 7b machten sich mit Jugendlichen aus der Segel-AG der Bardowicker Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule zum Bootsausflug auf. Die Bedingungen hätten nicht besser sein können. Nicht nur die Sonne lachte über der Elbe, auch die Jugendlichen strahlten vor Freude über die bevorstehenden Ereignisse.

„Wir suchen immer wieder Begegnungsmöglichkeiten über Handlungsbezüge“, erklärt Irmela Schuppe, Lehrerin der Kooperationsklasse 7b mit Schwerpunkt geistige Entwicklung, die von der Schule Am Knieberg in die Bardowicker Schule ausgelagert ist. Reiner Theorie-Unterricht mit den Regelschülern mache häufig nicht viel Sinn, weil die individuellen Entwicklungsunterschiede zu groß seien.

Die Bootsaktion brachte Claus-Dieter Meier-Kybranz auf den Weg, der die Segel-AG leitet. „Ich finde es gut, wenn die Kooperationsklasse so etwas erlebt“, sagt der Lehrer. „Außerdem haben wir Hilfe gebraucht.“ Im Frühjahr haben die Schüler in einem Zelt in Bardowick mehrere Boote gemeinsam fahrtüchtig gemacht.

Das Projekt scheint bei allen Jugendlichen gut anzukommen – auch wenn der eine oder andere vor dem Bootsausflug noch etwas skeptisch wirkt: Kinem aus der Kooperationsklasse, sonst nicht um einen kecken Spruch verlegen, steht zögernd vor der Absperrung zum Steg. „Ich geh da nicht rauf“, sagt die 12-Jährige und zeigt auf das weiße Segelboot, das sich mit leisem Plätschern der Anlegestelle nähert, fachmännisch gelenkt von Schülern der Segel-AG. Doch als das Boot schließlich am Steg liegt, streift sie sich die orangefarbene Rettungsweste über – und nur wenige Minuten später sitzt sie an Deck und winkt begeistert. Angst? Keine Spur. Später dreht sie mit den Jungs von der Segel-AG gleich noch ein paar Runden im Motorboot. „Das war gut“, berichtet Kinem, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat, und lächelt.

Längst alte Hasen im Segeln und Motorbootfahren sind Björn und Finn von der Segel-AG. Finn möchte später sogar einmal Bootsbauer werden: „Das Tolle am Segeln ist, dass man frei ist und von der Schule runter kommt“, erklärt der 15-Jährige, und der gleichaltrige Björn pflichtet bei: „Das ist nicht so laut sondern ruhig und entspannt.“ Jeden Mittwoch verbringen die Jugendlichen etwa zwei Stunden in der Segel-AG. Und wenn die Schule nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen würde, wären sie sogar noch viel öfter auf dem Wasser.

Die gemeinsame Aktion der zwei unterschiedlichen Klassen finden beide super. Voller Bewunderung sprechen sie vom Eifer der Kooperationsschüler während der Reparaturarbeiten im Frühjahr. „Die sind viel zielstrebiger als wir“, sagt Björn, „denn die lassen sich einfach nicht so leicht ablenken“. Und Finn fügt hinzu: „Wenn die einmal am Arbeiten sind, arbeiten die gut runter.“ So gut, dass sie beim Schleifen sogar fast den Namen des Schiffes mit weggekratzt hätten. Richtig böse sein konnte ihnen niemand.

„Die sind immer fröhlich“, erzählt Finn. Er würde in Zukunft gern wieder mit den Schülern der Kooperationsklasse zusammenarbeiten. Björn hat von den Förderschülern gelernt: „Man denkt immer, die sind anders, aber das stimmt nicht.“