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Studenten in der Knigge-Schule

kg Lüneburg. Unsicher nimmt Henrik Schmitz einen geschwungenen Canapé-Löffel vom Silbertablett. Soll er das edle Häppchen in einem Stück hinunterschlucken oder wirkt das vielleicht gierig? Um ihn herum stehen zwanzig weitere junge Herren, jeder hat ein Glas Sekt in der Hand, alle versuchen, möglichst nicht aufzufallen, abwartend, was folgt. „Sie waren soeben unsere Versuchskaninchen“, sagt Res“taurant- und Veranstaltungsleiter Thomas Mevenkamp. Mit dem Sektempfang im neuen Roy-Robson-Haus am Markt haben die Teilnehmer des Seminars „Karriere mit Stil“ des Career Service der Leuphana die erste Hürde des Abends genommen: die klassische Empfangs-Situation in vermeintlich lockerer Atmosphäre. Sich kennenlernen, gemeinsam Sekt trinken, Visitenkarten tauschen. Doch das ist nur der Anfang.
Einen Abend lang wollen 20 Studenten lernen, welche Regeln zu einem angemessenen Auftreten im Geschäftsleben zählen, worauf sie bei der Kleidung achten müssen und welche Fettnäpfchen beim Essen mit dem Vorgesetzten drohen. „Angegeben war: Kommen Sie im Business-Look. Aber was heißt das?“, fragt Henrik Schmitz. „Anzug mit Krawatte oder ohne?“ Schließlich haben er und sein Mitbewohner Jan-Hendrik Holst sich für helle Hosen und dunkle Sakkos entschieden. Für ein Bewerbungsgespräch wäre das in den meis“ten Fällen schon zu leger. Doch auch der klassische schwarze Anzug sei da fehlam Platz, verdeutlicht Sascha Klumpp, Creative Director beim Lüneburger Herrenausstatter. „Schwarz ist ein absolutes No-Go, wir gehen ja nicht zur Beerdigung.“ Stattdessenempfiehlt er jegliche Formen von Grau-Schattierungen oder einen dunkelblauen Anzug. Diese Farben vermittelten eine selbstsichere Ausstrahlung.
„Ich denke, dass Benimmregeln und Etikette nichts Veraltetes sind, sondern ein sicherer Umgang damit auch heute noch wichtig ist — beruflich und privat“, sagt Schmitz. Nichts sei schlimmer, als unhöflich zu sein und es nicht einmal zu merken, fügt Holst hinzu. Beide studieren Betriebswirtschaft im zweiten Semester „Da heute so viele gute Leute auf dem Markt sind, sollte man beim Vorstellungsgespräch oder beim Geschäftsessen auf jeden Fall das gewisse Auftreten haben“, findet Holst. Nach und nach begutachten die Studenten Models, die mal im Freizeit-Look, mal geschäftlich gekleidet auf und ab gehen. An jedem von ihnen sind kleine Fehler versteckt. Mal ist es die Gürtelschnalle, die nicht zur Uhr passt, mal die Hosenlänge, die nicht stimmt.
Ihr ,,Lehrer“ Klumpp achtet auf jedes Detail. Worauf wird bei den Accessoires Wert gelegt und warum ist auch das, was Mann darunter trägt, wichtig? „Das ist eine psychologische Sache“, meint der Creative Director. „Richtige Socken, gute Unterwäsche und ein tolles Unterhemd. Das gibt Ihnen mehr Selbstvertrauen!“ Doch mit Selbstvertrauen allein bindet sich noch lange kein Krawatten-Knoten. „Das gehört auf jeden Fall zu den Handgriffen, die ein Mann können sollte“, sind sich Schmitz und Holst einig. Aber auch nach zehn Minuten hängt der Schlips noch immer unkoordiniert um die Schultern. Holst lacht und sagt: „Bis zum Bachelor wird jetzt nicht mehr für die Uni gelernt, sondern nur noch Krawattenbinden geübt.“
Schließlich führt Restaurantchef Mevenkamp die Gruppe gedanklich durch ein Vier-Gänge-Menü. Warum dürfen die Kartoffeln mit dem Messer geschnitten werden, der Salat aber nicht? Und auf welcher Seite sollte der Chef Platz nehmen? Der Experte klärt auf. Am späten Abend schwirrt den jungen Herren der Kopf. „Sicher, das trifft nicht alles auf einen zu, aber ich glaube, dass man jetzt bewusster mit diesen Dingen umgeht und sicher auch ein paar Sehnsüchte hat, was man jetzt unbedingt haben möchte“, meint Schmitz. „Nun fehlt mir nur noch das nötige Kleingeld, um mir all die Outfits fürjedeGelegenheit zuzulegen.“
Ein Video zum Seminar bei Roy Robson gibt es auf der Seite www.lzplay.de im Internet.