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Flasche leer lohnt sich nicht

pet Adendorf. Thomas Flocken schwankt. Schwer ist seine Stimme. Er hält eine Plastikflasche fest in der Hand. Gefüllt mit schwarzem Tee oder doch mit Whisky ? Flocken spielt den Schauspieler David Aschinger. Der wiederum soll die Geschichte von Knut, dem Alkoholiker, spielen. Dass aber nicht nur Knut, sondern auch David ein Alkoholproblem hat, wird schnell allen Zuschauern klar. Das sind an diesem Tag die Schüler von vier achten und neunten Klassen der Adendorfer Oberschule am Katzenberg – und die sind von dem, was sie sehen, beeindruckt. Das Theaterstück „Flasche leer“ ist eine von zwei Säulen eines Suchtpräventionsprojekts, das jetzt – in dieser Form neu – in Adendorf, an der Hauptschule Stadtmitte in Lüneburg und an der Oberschule Oedeme stattfand.

Die zweite Säule des Projekts sind vier Stationen, an denen sich die Mädchen und Jungen über Aspekte von Sucht und Suchtmittelmissbrauch informieren können. Polizeioberkommissar Bernd Ehlert etwa erklärt, wie schnell der Führerschein gerade bei Fahranfängern schon bei geringsten Alkoholverstößen weg ist. Tomke-Geela Hintze zeigt den Jugendlichen die Wirkung und Gefahren des Rauchens auf.

Wie schnell man daneben liegen kann, wenn man die Menge Alkohol, die in einem Bier, Schnaps oder Sekt enthalten ist, vergleicht, macht Anke Wagner von der Lüneburger Fachstelle für Sucht und Suchtprävention drobs den Jugendlichen klar. Den Slalomparcours mit der Rauschbrille absolvieren die Mädchen und Jungen bei Kriminalhauptkom-missarin Imme Konzack-Rempe, Beauftragte für Jugendprävention der Polizei Lüneburg. Dabei ist auch die DAK Gesundheitskasse, für die Simone Prüß und Linde Richter den Plakatwettbewerb „bunt statt blau“ vorstellen.

Knapp 120 Jugendliche von der Schule am Katzenberg machen beim Projekt mit – immer zwei Klassen absolvieren die vier Stationen, parallel sehen die anderen zwei „Flasche leer“. Und die Mädchen und Jungen sind mächtig beeindruckt, von dem, was Thomas Flocken für sie spielt. „Wenn man so sieht, wie es einem Trinker ergehen kann, das ist schon schrecklich“, findet Sahmeran (15). Und Jacqueline (14) sagt: „Wer sieht, wie verzweifelt der Mann ist, wird schon nachdenklich.“

Gemeinsam mit Regisseurin Julia von Thoen, beide vom Schauspielkollektiv Neues Schauspiel in Lüneburg, diskutiert Thomas Flocken im Anschluss an die Vorstellung mit den Schülerinnen und Schülern – und findet ein interessiertes Publikum. Warum man überhaupt übermäßig Alkohol trinkt, fragen sich Jugendliche und Schauspieler.

Weil man lockerer wird? Um sich besser zu fühlen? Um anderen zu imponieren? Um Probleme zu vergessen? Welche Risiken übermäßiges Trinken im Extremfall haben kann, machen Flocken und von Thoen klar – ihre deutliche Botschaft: Trinken lohnt sich nicht. Und dabei haben sie auch immer das Schicksal des fiktiven Knut, oder ist es doch David Aschinger, im Blick.