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Die nächste Jahrhundertflut rollt an

ca/dth Lüneburg/Lüchow. Um durchschnittlich bis zu 30 Zentimeter höher als 2011 soll das Hochwasser der Elbe zum Ende der Woche die Region erreichen. Wolfgang Kasperek, Katastrophenschutz-Dezernent bei der Polizeidirektion Lüneburg sagt, der Wert sei eine Schätzung. Je nachdem, mit welcher Macht Hochwasser aus Tschechien zusätzlich in die Elbe drücke, könne der Stand noch höher ausfallen. Im Landkreis Lüneburg kommen heute Morgen Verantwortliche von Polizei, Kreisverwaltung, Deichverbänden, Feuerwehren und Gemeinden zusammen, um über Vorbereitungsmaßnahmen zu beraten. Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt sagt: „Bei uns sind die Alarmlampen auf gelb geschaltet.“

Nahrstedt: „Wir sehen die Lage allerdings etwas entspannter als 2002. Wir haben seitdem in Amt Neuhaus neue Deiche, und 2011 hatten wir das zusätzliche Problem, dass uns durch starke Regenfälle auch noch die Rögnitz und die Sude von innen vollgelaufen sind. Das ist jetzt anders. Wir bereiten uns ruhig und entschlossen auf die Hochwasserlage vor.“

Dramatisch könne sich hingegen laut Kasperek von der Polizeidirektion die Lage bei Hitzacker entwickeln: Es sei denkbar, dass Hochwasser oberhalb der kleinen Stadt bei Wussegel und Penkefitz über den Deich laufe, dann in den Fluss Jeetzel fließe und damit Hitzacker quasi von hinten erreiche. Dort müssten sich dann die Pumpen des Schöpfwerkes bewähren und den Ort schützen. Und auch vor der mobilen Schutzwand dürfte die Elbe bis in die oberen Bereiche steigen.

Beim Kreis Lüchow-Dannenberg geht Ordnungsamtschef Christian Schlenker davon aus, dass das Hochwasser Donnerstagabend am Pegel Schnackenburg ankommt. Bereits gestern hat der Kreis eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Betreten der Deiche untersagt. Zuvor hatte die Verwaltungsspitze mit zuständigen Hilfsorganisationen und Behörden zusammengesessen, um die Lage einzuschätzen, das mögliche Vorgehen für die nächsten Tage zu besprechen. Auch hier fehlten den Fachleuten Daten, die sollen aber bald vorliegen. Heute stehen die nächsten Besprechungen an. Zu Katastrophenszenarien, die an der Elbe drohen können, sagt Schlenker: „Das sind Spekulationen.“ Gleichzeitig warnt der Kreis die Bürger auf seiner Internetseite: Es sei nicht auszuschließen, dass sie demnächst samt Vieh Haus und Hof verlassen müssten. Die Personenfähre Hitzacker-Bitter hat ihren Betrieb bis auf Weiteres eingestellt.

Auch wenn vieles von der Fließgeschwindigkeit der Elbe und den Zuflüssen abhängt, hat Dezernent Kasperek sehr konkrete Szenarien im Blick, eben für Hitzacker. Er sagt: Ob es eine langgezogene oder eine sich auftürmende Welle gebe, sei noch unklar und damit auch die Höhe des Scheitelpunkts. Bange blickt der Beamte nach Tschechien: „Von dort bekommen wir bittere Nachrichten, aber noch nichts Genaues.“ Nicht nur aus Prag, wo die Moldau bedrohlich anwachse, kämen dramatische Meldungen, sondern auch von andere Flüssen, die in Richtung Elbe strömen. Aus Erfahrung wisse man, dass das Hochwasser rund zwei Wochen andauern werde. Den Katastrophenfall auszurufen, ist Sache der Landkreise. Geschehe dies, werde die Polizeidirektion einen Stab installieren, der die Kreise unterstützt: Über die Kanäle der Kreise und Polizei könnten dann beispielsweise zusätzliche Sandsäcke aus Zentrallagern, Sanitäts- und Kreisfeuerwehr-Bereitschaften sowie Hilfe der Bundeswehr angefordert werden.

Der Elbe-Pegel in Bleckede lag gestern bei 8,41 Meter. 2011 ließ das Jahrhundert-Hochwasser die Elbe dort noch rund drei Meter höher steigen: auf 11,46 Meter. In Hohnstorf/Elbe wurden gestern am Pegel 5,87 Meter gemessen, 2011 waren es 9,23 Meter, bei Neu Darchau 4,39 Meter (Höchstwert: 7,49). Rekordpegelstände werden jetzt wieder erwartet: gegen Ende der Woche.