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Alarmstimmung vor dem Hochwasser

pet/dth/kre Lüneburg/Hohnstorf. Bis in die Abendstunden füllten bis zu 800 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Tausende Sandsäcke ab, um in den kommenden Tagen die Elbdeiche im Kreis Lüneburg vor der nahenden Flut zu sichern. Und das, was die Brandschützer geschafft haben, wird noch längst nicht ausreichen: Auf der kompletten Länge von 80 Kilometern soll versucht werden, die Deiche im Landkreis um 30 Zentimeter zu erhöhen, das kündigte Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt an.

„Wir rechnen derzeit mit dem höchsten Hochwasser, das wir je hatten“, sagte Nahrstedt auf LZ-Nachfrage. Angesichts der düsteren Prognosen sei in einer Lagebesprechung, an der unter anderem Landkreis, Deichverbände, Polizei, und Feuerwehr beteiligt waren, auch überlegt worden, „die Deiche überlaufen zu lassen“, so Nahrstedt. „Aber wir werden es mit den Sandsäcken probieren.“ Wichtig sei es jetzt, „genug Männer- und Frauen-Power zum Füllen der Säcke zusammenzubekommen“. Größtes Hindernis sei es, ausreichend Sandsäcke zu beschaffen.

Kreisbrandmeister Torsten Hensel hofft, dass angesichts der unübersichtlichen Datenlage die Prognosen nicht zutreffen: „Sollte es doch so kommen, sieht es ziemlich schwarz für uns aus.“ Seit Dienstag Mittag herrscht im Kreis Lüneburg Katastrophen-Voralarm. Das bedeutet, dass der Katastrophenschutzstab des Landkreises in Rufbereitschaft versetzt wird – und bereits Kontakt zu Einsatzkräften der Bundeswehr aufgenommen wurde, um sich für den schlimmsten Fall zu rüsten. Das bestätigt auch Burkhard Jäkel: Der Oberstleutnant der Reserve ist Leiter des Kreisverbindungskommandos (KVK): „Wir sind in Rufbereitschaft.“

„Noch wissen wir nicht, wie hoch die Pegelstände ausfallen, da eine Scheitelwelle noch nicht zu erkennen ist“, sagt Nahrstedt. Die Feuerwehren sind aber schon aktiv. Es sei wahrscheinlich, dass auch die Bevölkerung dazu aufgerufen wird, beim Füllen der Sandsäcke zu helfen, die Entscheidung dazu soll heute fallen. „Wir haben mit der Landwirtschaftskammer gesprochen, damit die Bauern, die noch Vieh im Vorland haben, es dort wegholen.“ Das sei nur eine weitere Maßnahme. Zudem gilt bereits jetzt ein Betretungsverbot für Fußgänger, Radfahrer und Reiter für sämtliche Elbdeiche im Kreisgebiet, damit sie nicht an Stabilität verlieren und die Maßnahmen zum Hochwasserschutz nicht behindert werden.

Der Katastrophenschutzstab, der nun um Vertreter von DRK, ASB und THW erweitert werden soll, ist sich einig: Möglichst viel Arbeit muss im Vorfeld auf freiwilliger Basis geleistet werden, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Dazu ordert der Landkreis jetzt außerdem weitere Sandsäcke nach. 700 000 Stück seien bereits bestellt, bis zu eine Million sollen es werden – zusätzlich zu den Beständen der Deichverbände Artlenburg (rund 230 000) und des Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverbandes. Voraussichtlich morgen sollen die Deichwachen laufen.

Sorgenvoll schaut Verbandsvorsteher Hans Ebeling vom Neuhauser Deichverband auf die Pegelstände. Aus gutem Grund: „Wenn die Prognosen zutreffen, wird das Hochwasser einen Zentimeter über der Deichkrone liegen.“ 25 000 Sandsäcke haben die Neuhäuser gestern bereits gefüllt – um ein erstes Bollwerk gegen die Fluten zu bauen. Wütend ist Ebeling vor allem aber darüber, dass über das Problem der Verbuschung seit den letzten Hochwassern zwar viel geredet, aber wenig gehandelt wurde. „Wäre das Buschwerk konsequent beseitigt worden, würde das Hochwasser jetzt 50 Zentimeter geringer auflaufen.“