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Zug fahren wie anno dazumal

sp Lüneburg. Oberbürgermeister Ulrich Mädge begleitet am Sonntag, 9. Juni, eine besondere Zugfahrt: Zum 100-jährigen Bestehen der Bahnstrecke Lüneburg-Soltau rollt ein Jubiläumszug ab Lüneburg-West Richtung Rettmer, Embsen, Amelinghausen und zurück. Das Fahrzeug der Wahl ist ein Samba-Zug, also ein besonderer Ausflugszug aus den 50er- und 60er-Jahren, gezogen von einer 56 Jahre alten Diesellok. Die Eisenbahnfans der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) um ihren Vorsitzenden Hans Dierken haben dazu in Zusammenarbeit mit der Stadt und weiteren Anrainer-Kommunen ein festliches Programm auf die Beine gestellt. Wer mitfahren mag, ist eingeladen, Fahrkarten werden im Zug verkauft. Erwachsene zahlen 12 Euro, Kinder zwischen 4 und 15 Jahren 6 Euro, Teilstrecken sind billiger.

Vor fast genau 100 Jahren, am 11. Juni 1913, gab es die Eröffnung der Kleinbahn zwischen Lüneburg und Soltau zu feiern. Wenige Tage später startete der reguläre Betrieb, anfangs per Dampfzug. AVL-Vorsitzender Hans Dierken hat die Geschichte der Strecke und ihrer Nutzung beleuchtet. Er schreibt: „Der Reisezugverkehr, besonders aber der Ausflugsverkehr in die Heide entwickelte sich recht gut. Jedoch erwuchs mit der allmählichen Verbesserung der Straßen der Individualverkehr schon früh als ernste Konkurrenz.“ 1944 seien die Kleinbahnen zur Osthannoverschen Eisenbahnen AG (OHE) verschmolzen. In den 70er-Jahren sei der Personenverkehr etappenweise eingestellt worden. „Bis heute wird die Strecke noch im Güterverkehr bedient“, sagt Dierken. Außerdem rollten seit 20 Jahren die Züge des Heide-Express.

Der Jubiläumszug fährt am Sonntag gegen 10 Uhr im Lüneburger West-Bahnhof ein. Das Stadtorchester spielt passende Musik dazu. Dierken und Mädge halten kurze Ansprachen, dann steigen alle ein in die geschichtsträchtigen Waggons. Laut Dierken handelt es sich dabei um den „momentan einzigen, betriebsfähigen Originalwagen des Samba-Zuges“ sowie weitere Waggons, deren Fahrgestelle aus den Jahren 1910 bis 1920 stammen. Um 10.45 Uhr startet der Zug in Richtung Melbeck-Embsen.

Beim Zwischenhalt in Melbeck sind weitere Musikbeiträge vorgesehen. Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner und die stellvertretende Landrätin Nicole Ziemer werden erwartet. Gegen 11.30 Uhr fährt der Zug weiter bis Amelinghausen-Sottorf, wo es ebenfalls eine offizielle Begrüßung gibt sowie einen Mittagsimbiss, serviert im Samba-Wagen. Auch Getränke werden unterwegs angeboten. Nach dem einstündigen Aufenthalt in Amelinghausen fährt der Zug auf derselben Strecke wieder zurück. Ankunftszeit in Lüneburg ist voraussichtlich 13.45 Uhr. Bei Bedarf ist unterwegs der Zustieg in Lüneburg-Kurpark, Oedeme, Rettmer, Heinsen und Drögennindorf möglich. Anmeldungen per E-Mail an info@heide-express.de.

Die Ausstellung:

Viel Zeit und Mühe haben Helmut Borkowski, Bärbel Kramer, Helga Stark, Doris Niestedt, Hans-Friedrich Müller und Werner Meyer vom Archivarbeitskreis der Samtgemeinde Amelinghausen investiert, um zum 100-jährigen Bestehen der Eisenbahnstrecke Lüneburg-Soltau eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Gestern wurde sie im Markthus in Amelinghausen feierlich eröffnet. Dabei führte Hans-Friedrich Müller die Gäste mit einem Vortrag in das Thema ein.

Die teilweise historischen Dokumente auf den Stelltafeln veranschaulichen, welche fundamentalen Veränderungen sich in ökonomischer und politisch-geografischer Hinsicht in der Folgezeit für den Heideort durch die Bahnstrecke ergaben. So wuchsen die beiden Dörfer Amelinghausen und Sottorf unter anderem durch die Gewerbeansiedlungen zu einem Ort zusammen. Auch bekam die Mobilität der Dorfbewohner eine neue Dimension – ebenso hat der Heidetourismus hier seine Anfänge.

Die Ausstellung kann in den Sommermonaten während der Öffnungszeiten der Tourist-Information im Markthus, Marktstraße 1, von montags bis freitags von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr, sonnabends von 10 bis 14 Uhr, und im Juli und August auch sonntags von 10 bis 14 Uhr besucht werden. bau