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Gemeinsam sind sie stark gegen die Fluten der Elbe

kre/ca Lüneburg/Stiepelse. „Es ist phantastisch, wie viel Unterstützung wir aus der Bevölkerung erfahren“, freut sich Feuerwehrmann Frank Prange. Ob es die schlimmen Bilder aus den Katastrophengebieten in Bayern oder vom Oberlauf der Elbe sind, die die Menschen bewegen, ob es Abenteuerlust ist oder einfach nur der Wunsch zu helfen – die Beweggründe kann Prange nicht einschätzen. Er weiß nur: „Die Menschen kommen und packen tatkräftig mit an.“ Und während er in seinem Einsatzwagen am Feuerwehrhaus im sonst so beschaulichen Sumte sitzt und die Zahl der Helfer gegen das Hochwasser in seinem Abschnitt zusammenaddiert, hält schon wieder ein Bus. Es sind knapp 50 Schülerinnen und Schüler aus den Berufsbildenden Schulen II und III in Lüneburg, die sich zum freiwilligen Hochwassereinsatz gemeldet haben.

„Wir haben die Bilder von den überschwemmten Häusern in den Medien gesehen, die Verzweiflung der Menschen“, sagt eine Schülerin. „Wir wollen helfen und Sandsäcke schippen.“ Die Schulen haben den Bus organisiert, die beiden Lehrer Hermann Kraake und Markus Diersen begleiten ihre Schützlinge

Ein Bus mit eifrigen Helfern, Lkw des Technischen Hilfswerks, die Sand geladen haben, dazwischen Feuerwehr und Soldaten der Bundeswehr – es ist mächtig was los im kleinen Sumte. Oder anders gesagt: Eine wahre Helferflut stemmt sich gegen gegen die drohende Hochwasserflut. Schätzungen gehen laut Landkreis von bis zu 1 500 freiwilligen zivilen Helferinnen und Helfern aus.

In Sumte verschaffen sich Hauptfeuerwehrmann Frank Prange und Kollege Christoph Heine einen kurzen Überblick, dann teilen sie mit, wo noch Helfer gebraucht werden: Sie schicken die zivile Helfertruppe als Verstärkung zum Sandsäcke füllen nach Stiepelse.

Doch nicht jeder, der helfen will, bekommt auch die Gelegenheit dazu: Der Lüneburger Rechtsanwalt Michael Semrau und seine Mitarbeiterinnen hatten eigens ihren Betriebsausflug nach Würzburg abgesagt, um die Deichverteidigungs-Maßnahmen in Hohnstorf/Elbe zu unterstützen. „Wir sind dem Aufruf in den Medien gefolgt“, sagt der Anwalt. Doch als der Jurist und sein Team gestern ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen wollten, hieß es plötzlich: „Zusätzliche Helfer werden nicht mehr benötigt“. „Schade“, sagt Semrau. Statt nach Würzburg oder zum Helfen an die Elbe ging’s dann als kleiner Ausgleich für den verpassten Ausflug wenigstens in den Barfußpark nach Egestorf.

Ohne Mampf kein Kampf – auch nicht gegen das Hochwasser: 100 Liter Kartoffelsuppe mit Lauch und Würstchen haben Kinder und Jugendliche gemeinsam gestern im Bardowicker Jugend-Café für die Helfer am Deich frisch gekocht. Willkommene Stärkung für viele freiwillige Helfer, die den Kampf gegen das Hochwasser aufgenommen haben. Und wer darf sich über die leckere Suppe freuen? „Wir werden die Suppe nach Absprache jetzt nach Lauenburg bringen“, sagt Köchin Iris Potteck.

Helfer kommen aber nicht nur aus dem Landkreis, sondern auch von weit her: Als Norman Japke und sein Freund Marco Clausen abends um zehn Uhr bei Facebook lesen, dass an der Elbe Helfer gesucht werden, die Sandsäcke befüllen, ist für die beiden Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes klar: „Da müssen wir hin.“ Im Nu packen sie ihre Klamotten und Sanitätsmaterial auf ihren Landrover und fahren los – aus Aurich-Ihlow. 300 Kilometer fahren sie durch die Nacht. Ihre erste Station ist Bitter im Amt Neuhaus, sie füllen Sandsäcke bis morgens um sechs. „Dann haben wir drei Stunden geschlafen und sind weiter nach Preten“, erzählt Marco Clausen. Wieder schippen sie Sand. Bis in den Nachmittag. Dann geht es zurück an die Nordsee: „Wir müssen morgen sehr früh wieder arbeiten.“

Bernd Hildebrandt ist Ortsbrandmeister von Preten, Dellien und Sückau. Er freut sich über den Einsatz des Duos von der Küste: „Danke, dass ihr hier seid.“ Ein Fünftel seiner 80 Leute, die am Ortseingang von Preten Sandsäcke füllen, seien Freiwillige, schätzt der Feuerwehrchef. Doch die zu Beginn willkommene Unterstützung wird nun nicht mehr gebraucht. Das Hochwasser soll zwar dramatisch ausfallen, aber ein bisschen geringer als befürchtet. Sandsäcke sind genug da.

Der Antrieb der vielen Freiwilligen dürfte bei den meisten ein ähnliches Motiv haben, wie bei den beiden Ostfriesen. Norman Japke sagt: „Ich stelle mir vor, wir wären in Not, da würden wir uns über Hilfe auch freuen. Ist doch selbstverständlich, dass wir gekommen sind.“ Sein Freund Marco Clausen nickt: „Das ist Zivilcourage.“