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Koffer packen an der Elbe

kre Scharnebeck/Bleckede. Panik sieht anders aus. Aber die Angst und die Sorge um Hab und Gut sind den Betroffenen deutlich anzumerken: Eigentlich wollten wir in den Urlaub fahren“, sagt Waldemar Falkenberg aus Bleckede -„,nach Mallorca, unsere Tochter besuchen . . .“ Doch die Elbe hat die Vorfreude der Falkenbergs auf das familäre Wiedersehen jäh getrübt. Gestern nachmittag steckte in seinem Briefkasten ein Info-Schreiben des Katastrophenschutzstabes. Darin wird die „mögliche Evakuierung in dieser Woche“ angekündigt. Falkenberg hält das Schreiben ratlos in den Händen. Fahren oder nicht fahren? „Wenn das Wasser kommt, kann ich ohnehin nichts mehr machen“, sagt er und fügt mit Blick auf seinen gepflegten Vorgarten hinzu: „Weg müssten wir dann sowieso.“

Im Haus nebenan in der Heinrich-Ohberg-Straße macht sich die Bleckederin Katrin Brede allerdings schon jetzt bereit, die Wohnung zu verlassen. „Freilich in aller Ruhe. Ich werde meine Kinder zu meinen Eltern nach Adendorf bringen“, sagt sie. Während sie die notwendigsten Sachen zusammenpackt, hilft ihre zwölfjährige Tochter noch mit beim Befüllen der Sandsäcke. „Es ist eben eine völlig irrwitzige Siutation“, sagt Katrin Brede und blickt zum strahlend blauen Himmel. „Kaum zu glauben, dass eine Hochwasser-Katastrophe droht.“

Zwei Häuser weiter bepackt Familie Wolter ihren Wohnwagen. Nicht, weil sie daran glauben, dass bei einem Deichbruch ihr Haus unter Wasser stehen könnte, sondern weil sie sich für den Fall wappnen wollen, dass der Kreis seine Ankündigung wahr macht und tatsächlich evakuieren sollte. „In die Notunterkunft nach Dahlenburg werden wir nämlich auf keinen Fall gehen, wir fahren dann eben mit unserem Wagen auf einen Campingplatz“, sagt Andreas Wolter. Sorgen um sein Haus macht sich der Bleckeder ohnehin nicht – auch wenn die Elbe nur wenige hundert Meter von ihm entfernt fließt.

Wolter steht am Gartenzaun und rechnet mit einem Nachbarn, der gerade seinen Rasen wässert, die prognostizierten Pegelstände nach: „Unser Straßenzug ist mit 11,40 Metern der höchste Punkt in Bleckede“, sagt er, 12,50 Meter ist der geschätzte Hochwasserpegel für unsere Stadt. Da brauchen wir keine Angst haben. Mehr Sorgen müssen sich da die Bürger in der Bleckeder Innenstadt machen.“

Ob die Deiche halten werden, wie hoch das Wasser aufläuft, oder ob doch alles nicht so schlimm wird, wie jetzt viele befüchten – keiner weiß es genau. Auf alle Fälle will der Landkreis für den schlimmsten Fall der Fälle gewappnet sein, hat vorsorglich vom ASB und DRK gestern in den Turnhallen in Dahlenburg, Scharnebeck und Neuhaus Notunterkünfte aufbauen lassen – riesige Schlafsäle, in denen die Menschen Quartier finden, sollten die Evakuierungspläne umgesetzt werden. „Insgesamt können wir rund 900 Betten anbieten“, sagt Kreissprecher Ulrich Mentz: „Für Betroffene, die im Evakuierungsfall nicht anderweitig unterkommen können.“

In der Turnhalle des Scharnebecker Schulzenrums ist es der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der Feldbett für Feldbett vorbereitet. In Strachau in der Gemeinde Amt Neuhaus etwa wurde gestern nachmittag bereits ein Altenheim vorsorglich evakuiert. Zu den 20 ASB-Helfern, die unter der Leitung von Arne Möller die Notunterkunft herrichten, ist auch Antje Fox aus Echem. Sollte der Deich brechen, wäre auch ihr Heimatort betroffen. Trotzdem packt die 44-Jährige kräftig mit an, klappt Betten auf und bezieht Decken. Vielleicht lenkt die Aktion auch ein wenig von den Sorgen um das Wohl des eigenen Heimes ab.

Derweil appelliert der Katastrophenstab an alle Tierhalter im Gebiet des Artlenburger Deichverbandes und des Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverbandes, ihren Tierbestand zu evakuieren. Betroffene Tierhalter sollten sich umgehend unter Tel.: 04131/26-1001 an die Tierhotline“ wenden.