Aktuell
Home | Lokales | Höher und schneller
3319632.jpg

Höher und schneller

dth/lz Lüneburg. Der Scheitel des Elbe-Hochwassers rauschte am Sonntag, 9. Juni, durch Magdeburg. Derweil steigen im niedersächsischen Bereich die Pegelstände weiter steiler an, als erwartet – beispielsweise in Bleckede von Sonnabend auf Sonntag um mehr als einen Meter auf zwischenzeitlich 11,05 Meter gestern um 16.30 Uhr, vergangenen Montag stand das Wasser dort noch bei 8,41 Meter. Im gesamten niedersächsischen Elbeabschnitt ist mit weiteren Rekordwerten zu rechnen, das teilt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Lüneburg mit. Die Höchststände sind voraussichtlich ab Mitte dieser Woche zu erwarten. Genauere Angaben können die Behörden wegen der unübersichtlichen Lage noch nicht machen.

Der NLWKN teilt in seiner Lageeinschätzung mit: „Die Scheitelwerte betragen voraussichtlich: 840 Zentimeter am Pegel Schnackenburg, 765 am Pegel Dömitz, 850 am Pegel Hitzacker, 850 am Pegel Neu Darchau und 1015 Zentimeter am Pegel Hohnstorf.“ Nach diesen Prognosen reichten die Wasserstände in die Freibord genannten Sicherheitsreserven der Deichhöhen hinein. Der Freibord beträgt in der Regel in Ortslagen mindestens 1,2 Meter, außerhalb mindestens ein Meter. An den Pegeln Schnackenburg, Dömitz, Hitzacker und Hohnstorf würde nach den Vorhersagen das Hochwasser etwa 75 bis 80 Zentimeter hoch ins Freibord hineingehen, damit bliebe dort theoretisch bis zu 45 Zentimeter Luft bis zu den Deichkronen.

An den Pegeln Neu Darchau und Boizenburg soll der Wasserstand sogar um etwa einen Meter ins Freibord gehen. Dass die Deiche trotz Erhöhung mit Sandsackbarrieren überspült werden, ist nicht auszuschließen.

Nachdem die Wasserstandsprognosen Ende der vergangenen Woche erst nach unten und dann am Wochenende wieder sprunghaft nach oben korrigiert wurden, hat die zuständige Hochwasservorhersagezentrale Magdeburg nun auch den Gewässerkundlichen Landesdienst (GLD) beim NLWKN Lüneburg hinzugezogen. Zu den gestrigen Prognosen heißt es in der Lagebeurteilung der Behörde: „Der GLD Lüneburg hält diese Werte für plausibel. Unsicherheiten zur absoluten Höhe und Dauer des Scheitels bestehen weiterhin aufgrund der schwierigen hydrologischen Situation im Bereich der Saalemündung.“

Der Katastrophenschutzstab Lüneburg teilte in einer Presseerklärung mit: „Auch durch den Deichbruch in Sachsen-Anhalt und die Polderflutungen in Brandenburg ist keine spürbare Entlastung der Hochwassersituation eingetreten. Experten rechnen bestenfalls mit einer Erleichterung von zehn bis 20 Zentimeter für unsere Region.“

Die Einsatzabschnitte an den Deichen in Bleckede und der Samtgemeinde Scharnebeck seien laut Katastrophenschutzstab weitgehend fertiggestellt, im Einsatzabschnitt in Alt Garge erfolgte gestern eine Befüllung von Schuten, um die Gemeinde Amt Neuhaus vom Wasserweg aus zusätzlich mit Sandsäcken zu versorgen.