Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Ein Stück Burggeschichte

ca Lüneburg. Es sind Details, welche die Stadt zu einem Gesamtkunstwerk machen. Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) achtet immer wieder auch auf Kleinigkeiten und strengt sich an, sie zu erhalten. Sogar in einer ganz versteckten Ecke, die Einheimische und Gäste eher selten besuchen. So findet sich am Kalkberg ein Teil der alten Burg- und Festungsmauer. Lange Zeit war der Mauerrest kaum auszumachen, Büsche und Bäume haben das Bollwerk überwuchert. Schon vor Jahrzehnten sei ihm die Mauer aufgefallen, erzählt ALA-Vorsitzender Curt Pomp. Über Jahre und in zwei Etappen habe der Verein ein Stück der Umfassung freigelegt und saniert: „16 500 Euro hat das gekostet.“

Pomp meint, die Mauer, die an einem Pfad parallel zur Straße Vor dem Neuen Tore liegt, könnte ein „Vorposten“ der alten Burganlage gewesen sein. Deren Geschichte reicht in die Anfänge Lüneburgs zurück, das 956 erstmals im Zusammenhang mit einem Salzzoll urkundlich erwähnt wurde. Auf dem Berg standen um die Mitte des zehnten Jahrhunderts Burg und Michaeliskloster, notiert die ehemalige Stadtarchivarin Dr. Uta Reinhardt in einem Aufsatz. Doch die selbstbewussten Bürger der Stadt vertrieben den Landesherren 1371 aus der Stadt, eroberten und zerstörten die Burg, ein Wachturm blieb erhalten und spielte im Befestigungssystem der Stadt weiterhin eine Rolle. Das Kloster wurde damals in die Stadt verlegt.

Als im 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) die Schweden, die Lüneburg besetzt hatten, kampflos abziehen, gelangen die herzöglichen Brüder Friedrich von Celle und Georg von Calenberg 1639 in den Besitz der Stadt. Und die beginnen sofort mit der Befestigung des Berges, schreibt Falk-Reimar Sänger, ehemaliger Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege.

Schließlich verlieren die Verteidigungsanlagen ihre Bedeutung, sie werden Stück für Stück abgetragen. Der Kalkberg, der Schätzungen zufolge bis zu 16-mal so groß wie heute gewesen sein soll, wird zum Steinbruch: Denn eigentlich besteht er aus Gips und ist damals ein gefragtes Baumaterial.

Zurück zu dem Mauerrest. Der stamme aus der wehrhaften Zeit des Berges, ist Pomp überzeugt. Als man die Mauer freigelegt habe, fanden die Helfer im Erdreich zahlreiche Scherben von Schalen und Schüsseln. Pomp vermutet, dass die alten Bergbewohner ihren Abfall einfach von der Kuppe in die Tiefe geworfen haben. Das Stück Mauer dürfte sich fortsetzen, ist aber von Erde und Pflanzen überlagert.

Pomp möchte noch ein Stück des Walls freilegen und auch ein Tor wieder aufbauen, das an dieser Stelle gestanden hat und das auf den „Bewahrer des Berges“, Eduard Schlöbcke, zurückgehen soll. Der ehemalige Regierungsbaurat hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts dafür gekämpft, die Reste des Hügels zu erhalten aus Gründen des Naturschutzes – mit Erfolg: 1932 wurde der Berg Naturschutzgebiet.