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Ist der Höchststand erreicht ?

dth Bleckede/Lüneburg. Widersprüchlich zeigten sich am Montag Abend, 11. Juni, abermals die jüngsten Prognosen zu den erwarteten Hochwasserständen der Elbe im niedersächsischen Bereich: Entweder der Hochwasserscheitel ist bereits am Montag in Dömitz eingetroffen oder er kommt tatsächlich später und dann höher. Der Kastastrophenschutzstab Lüneburg hingegen hatte sich am Abend laut Sprecher Stefan Bartscht festgelegt: „Der Gewässerkundliche Landesdienst geht davon aus, dass der Scheitelwert am Pegel Dömitz nahezu erreicht ist und sich auf einem hohen Niveau über mehrere Tage halten wird. Die Höhe liegt rund 50 Zentimeter über den bisher gemessenen Rekordständen.“

Aber zunächst eine gesicherte gute Nachricht: Nach Angaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Lüneburg hat sich die Flutung der Havelpolder, mit der am Sonntag, 9. Juni, um 14 Uhr begonnen wurde, bereits bemerkbar gemacht mit sinkenden Wasserständen ab dem Pegel Wittenberge. Entsprechend geringer fiel dort gestern um 14 Uhr die Abflussmenge mit 3120 Kubikmetern Wasser pro Sekunde aus, so Messungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg. Zum selben Zeitpunkt flossen unterhalb bei Neu Darchau aber noch 4092 Kubikmeter pro Sekunde durch. Der Pegel Neu Darchau bewegte sich dabei auf einem Niveau von mehr als 7,70 Metern. Doch auch der Pegel bei Hohnstorf lag bereits gestern (21.59 Uhr) bei 9,36 Meter und damit über dem Wert der erst für Donnerstag, 13. Juni, vorhergesagten Scheitelwelle mit 9,30 Meter.

Am Montag war die Rede davon, dass der Hochwasserscheitel geschätzt eine Länge von rund 40 Kilometern habe. Dazu sagte Deichhauptmann Hartmut Burmester vom Artlenburger Deichverband auf LZ-Nachfrage: „Sollte das so sein und gingen wir von einer Strömungsgeschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde aus – wahrscheinlich ist sie sogar schneller – wäre der Scheitel in acht Stunden bei uns am jeweiligen Pegelstand durch.“ Nach WSA-Messungen betrug die mittlere Fließgeschwindigkeit (bei der Abflussmenge von 4047 Kubikmetern pro Sekunde gestern um 10 Uhr) bei Neu Darchau über den gesamten Querschnitt 3,6 km/h und in der Flussmitte über eine Breite von 150 Metern rund 6,5 km/h.

Nimmt man den Verlauf der prognostizierten Wasserstände an, müssten ab Mittwoch, 12. Juni, die Pegel ab Hitzacker langsam sinken, bewegten sich aber bis Ende der Woche auf Rekordniveau. Wann genau es zu der Senkung kommt, ist unklar. Denn aus Magdeburg sind nach der Messung gestern, 14 Uhr, weiter 4478 Kubikmeter pro Sekunde im Anmarsch, also mehr als zum selben Zeitpunkt in Wittenberge. Inwieweit die nachfließenden größeren Wassermassen durch die Flutung der Havelpolder oder den Deichbruch im Kreis Stendal im weiteren Verlauf reduziert werden, konnten die Behörden gestern nicht abschätzen.

Unterdessen sind laut Katastrophenschutzstab Lüneburg die Deicherhöhungen auf 32 Kilometern Länge im Bereich der Samtgemeinde Scharnebeck und Stadt Bleckede abgeschlossen. Im Bereich der Gemeinde Amt Neuhaus wurden rund 21 Kilometer Deich aufgekadet. Viele Abschnitte fehlen dort aber noch, in Summe 25 Kilometer im Bereich von Wehningen bis Neu Bleckede. Die Einsatzkräfte arbeiteten mit Hochdruck, darunter die Kreisfeuerwehrbereitschaft Harburg.

Gefahr von Deichbrüchen sehen Experten vor allem dann, wenn die Deiche über Wochen aufgeweicht wurden. Selbst Überspülungen könnten die Barrieren eine Zeitlang überstehen. Der Hamburger Hochwasserschutz-Spezialist Dr.Olaf Müller sagte auf LZ-Nachfrage: „Wir wissen heute, dass die Deiche mehr vertragen als bisher angenommen.“

Während die Elbe den Niedersachsen zu schaffen macht, haben die Hamburger offenbar nicht viel zu befürchten. Bereits vor Tagen wurden die Tore des Wehrs Geesthacht geöffnet, um so viel Wasser wie möglich abzuleiten. Bereits vor dem Wehr fächern Flussbett sowie Deichvorland teilweise auf fast die doppelte Breite auf. Volker Dumann, Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg, sagt: „Wenn das Elbe-Hochwasser Hamburg erreicht hat, rechnen wir im Hafen St. Pauli geschätzt mit einer Wasserstandserhöhung von bis 50 Zentimetern.“