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Die schwimmende Gefahr

off Alt Wendischthun. Der Funkspruch erreicht Dominique Düker um kurz vor 14 Uhr. An Bord der Luna 3 sucht die junge Frau mit ihren Kollegen Matthias Koch und Christian Sparfeldt den Fluss nach Treibgut ab, jetzt meldet ihr die Besatzung eines weiteres Einsatzbootes: Ein Baumstamm treibt stromabwärts direkt auf sie zu. Für das Team der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist es das Signal zum Handeln, innerhalb von Minuten haben sie den Baumstamm ausfindig gemacht, gestoppt und mit einem Seil gesichert. Übers überflutete Deichvorland geht es zurück ans Alt Wendischthuner Ufer – Treibgut-Sammelstation und Einsatzzentrale des DLRG-Wasserrettungszugs Lüneburg.

Seit Mittwoch, 5. Juni, sind die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der DLRG-Ortsgruppen Lüneburg, Adendorf/Scharnebeck, Amelinghausen/Lopautal und Dahlenburg in der Region im Hochwassereinsatz. „Seit Sonntagfrüh ist es unsere Aufgabe, in Alt Wendischthun Treibgut, das die Deiche beschädigen könnte, aus der Elbe zu bergen“, sagt Michael Düker, Gruppenführer der DLRG-Ortsgruppe Lüneburg. Dazu gehört die Sicherung von Baumstämmen und auch -stümpfen – doch das ist längst nicht alles, was die Elbe hinabtreibt und droht, die Deiche zu beschädigen.

Seit Sonntag, 9. Juni, haben Düker und seine Kollegen neben unzähligen Brettern, Stämmen und Wurzeln auch einen Bauwagen und einen Hochsitz geborgen, am Montag Mittag ein totes Rind ans Ufer gezogen und dem Abdecker übergeben. Arbeit, für die rund 30 DLRG-Mitglieder im Schichtdienst rund um die Uhr im Einsatz sind. Wer nicht auf dem Wasser ist, hilft auf dem asphaltierten Deichübergang beim Zerkleinern und Abtransport des Treibguts. Im Ernstfall kümmern sich Düker und sein Team zudem um Undichtigkeiten im Deich, „dann kommen unsere speziell ausgebildeten Taucher zum Einsatz“, erklärt der Gruppenführer.

Weitere Spezialkräfte vor Ort sind die sogenannten Strömungsretter der DLRG. Einer von ihnen ist Florian Lenkeit, der im Neoprenanzug am Ufer des Deiches steht und auf die Ankunft des nächsten Einsatzteams wartet. „Als Strömungsretter sorgen wir dafür, dass die Boote sicher anlegen können und wir das Treibgut abladen können“, erklärt er. Wird die DLRG zum Einsatz auf dem Wasser gerufen, „sind wir außerdem dafür ausgebildet, in stark strömendem Wasser die Gefahren zu erkennen, richtig zu reagieren und die Kameraden zu sichern.“

Doch wirklich dramatisch ist es für das Einsatzteam der DLRG in Alt Wendischthun bisher zum Glück noch nicht geworden. Zwei Leben gerettet haben sie trotzdem schon. „Sonntag, 9. Juni, konnten wir zwei kleine Rehkitze von einer Insel retten, die kurz vor der unmittelbaren Überschwemmung war“, sagt Düker. „Ein wirklich schöner Moment.“

Ein Video zum DLRG-Einsatz bei www.LZplay.de.