Dienstag , 27. September 2016
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Das Verbot, das niemand beachtet

ca Lüneburg. An der Salzstraße scheint die Verkehrsberuhigung eher ein Vorschlag zu sein, denn vielen Autofahrern ist das Durchfahrtsverbot zwischen 3 Uhr morgens und 19 Uhr am Abend offensichtlich egal. 27 Fahrer hat die Polizei dort bei einer Kontrolle am Freitag, 7. Juni, gestoppt, kürzlich waren es gar 68 Ignoranten in nicht mal zwei Stunden. Und das sind keine Einzelfälle, immer wieder ziehen die Beamten dort Fahrer aus dem Verkehr. Anwohner fragen sich schon länger, warum die Stadt nicht tätig wird.

Stadtpressesprecher Daniel Steinmeier sieht weniger die Stadt als die Polizei gefordert, sie müsse noch mehr kontrollieren. Die entgegnet, mehr als bisher sei kaum drin. Ein „Dauer-Schutzmann“ ist nicht in Sicht. Die Stadt kann auch keinen Knöllchen schreibenden Mitarbeiter des Ordnungsamtes postieren. Steinmeier: „Rechtlich dürfen wir als Kommune nur den ruhenden Verkehr kontrollieren, nicht den fließenden.“

Die Strecke ist ein Dauerthema, seit der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) Anfang der 90er-Jahre umgesetzt wurde. Der Handel forderte damals mit Nachdruck eine Öffnung des Straßenzuges, um den Bereich um das Ende der Grapengießerstraße mit der Post und dem Stern wie ehedem gewohnt zu verbinden. Doch SPD, Grüne und Verwaltung sagten Nein, weil damit ein Kernstück des VEP aufgehoben und noch mehr Autos auf der Salzstraße und Co. rollen würden.

Anfang 1997 belebte der damalige Verkehrsdezernent Michael Webersinn die Debatte mit einem Vorschlag: Er wollte in Höhe Obere Schrangenstraße einen versenkbaren Poller in die Fahrbahn einlassen, den Chauffeure von Bussen und Taxen per Knopfdruck und „berechtigte Autofahrer“ mit einer Magnetkarte steuern sollten. Doch das „Auf und Nieder“ fand keinen Anklang. Heute aber gibt es zum Beispiel am Bockelsberg hinter der Uni-Bibliothek so einen Poller, der die Durchfahrt reguliert.

Im Rathaus findet die Poller-Lösung auch aktuell keine Akzeptanz. Es gebe zu viele, die neben Bussen und Taxen über die Verbindung von Neuer Sülze und Lambertiplatz rollen dürften, argumentiert Steinmeier. Immerhin hat die Stadt für die Innenstadt 2000 Durchfahrtgenehmigungen erteilt.