Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Ohne Freiwillige geht es nicht
3325357.JPG

Ohne Freiwillige geht es nicht

kre Lüneburg. Das Elbehochwasser stellt zuweilen auch die Hierarchien auf den Kopf: Joachim Meyer ist Chef des Unternehmens „Werner Meyer Motoreninstandsetzung GmbHCo. KG“ mit Sitz in Bleckede. Rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hören auf sein Kommando – natürlich auch der stellvertretende Betriebsleiter Jan Lange. Doch jetzt ist Flut. „Und jetzt gibt mir mein Mitarbeiter die Befehle“, sagt Meyer lachend. Denn die beiden Männer sind Mitglied in der Feuerwehr – und beide kämpfen jetzt auch an der Hochwasserfront. Jan Lange aus Reppenstedt in der Technischen Einsatzleitstelle, Joachim Meyer bei der Scharnebecker Feuerwehr. „Als Unterstützungspersonal“, erläutert der Firmenchef.

Morgens ist Meyer im Betrieb, mittags wechselt er den Anzug gegen die Feuerwehr-Uniform. Der Dienst für die Allgemeinheit, Menschen in Not zu helfen – für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit. Genauso, wie für etliche seiner Mitarbeiter. „Etwa zehn Kollegen aus unserem Betrieb befinden sich seit Tagen im Hochwassereinsatz“, berichtet der Arbeitgeber.

Dass die Freistellung der Hilfskräfte manchen Firmen Bauchschmerzen bereitet, manche Chefs das freiwillige Engagement ihrer Mitarbeiter in der Feuerwehr, beim THW, im DRK oder beim ASB alles andere als gerne sehen, manch einer seinen Mitarbeitern sogar Konsequenzen androht, wenn sie sich freistellen lassen wollen, das weiß auch Meyer und fügt hinzu: „Meiner Einschätzung nach ist das aber zum Glück die Minderheit.“

Wichtig ist für Joachim Meyer, dass bei allem Engagement „selbstverständlich auch das Unternehmen nicht leiden darf. Der Betrieb muss weiterlaufen.“ Aber das sei letztlich auch eine Sache der Absprache: „Wenn ein Kollege im Feuerwehr-Einsatz ist, arbeiten die anderen für ihn mit.“

Insgesamt sind es rund 3500 Einsatzkräfte der Feuerwehren und Hilfsorganisationen, die unermüdlich an den Deichen im Landkreis Lüneburg arbeiten, um die Sicherheit der Bevölkerung vor Ort zu gewährleisten. „Für die Arbeitgeber der Einsatzkräfte ist das keine leichte Situation. Sie müssen auf Mitarbeiter in ihren Betrieben verzichten“, kennt auch Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt die Problematik. Er bedankt sich deshalb ausdrücklich bei den Arbeitgebern für das Verständnis und die Unterstützung bei der Bewältigung des Katastrophenfalles an der Elbe. Der Kreischef bittet, die Mitarbeiter auch weiterhin von der Arbeit freizustellen: „Alle verfügbaren Einsatzkräfte werden dringend benötigt“, macht Nahrstedt deutlich.

Arbeitgeber von ehrenamtlichen Helfern der Feuerwehren und Hilfsorganisationen können nach Beendigung des Katastrophenfalles beim Landkreis Lüneburg einen Antrag auf Erstattung der Lohn- und Gehaltskosten stellen.