Donnerstag , 29. September 2016
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Flut in historischer Altstadt

tja Lauenburg. Vor dem Elbschifffahrtsmuseum, dem Alten Schifferhaus und der Zufahrt zur Hitzler-Werft: Das Wasser hat sich an den tief gelegenen Abschnitten der Lauenburger Altstadt seinen Weg gesucht und Häuser geflutet. Sandsäcke und Folien konnten die Wassermassen nicht komplett abhalten. Bei einem Pegelstand von 9,60 Metern am Dienstag Nachmittag, 11. Juni, wurde klar, welche Kraft das Hochwasser hat.

Nachdem am Montag, 10. Juni, Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) Lauenburg besucht hatte, wird heute, Mittwoch, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Albig kündigte an, dass die Hochwasseropfer in Schleswig-Holstein mit einer Million Euro Soforthilfe des Landes unterstützt werden sollen. Das habe das Kabinett bereits beschlossen. Das Kabinett setze zudem auf die angekündigte Unterstützung des Bundes, hieß es. Bisher lassen sich die Schäden noch nicht absehen. Merkel wird nach ihrem Besuch in Lauenburg heute auch in Hitzacker erwartet.

In Lauenburg selbst kämpfen die Helfer unterdessen weiter gegen das Wasser. „Wir haben ein Loch im Pflaster gegenüber dem Hotel Möller entdeckt, das wir mit Sandsäcken zu stopfen versuchen“, sagte Torben Heuer, Zugführer bei Lauenburgs Feuerwehr und Abschnittsleiter für einen Teil der Elbstraße. „Das hatten wir 2011 auch, da müssen wir, wenn das Wasser wieder weg ist, mal gucken, was die Ursache ist“, so Heuer. Wann das der Fall ist, ist unklar. Alle bekannten Wasserstände in Lauenburg wurden bereits übertroffen, nur der historische Rekord von 1855 (9,89 Meter) wurde noch nicht geknackt.

Montagabend löste die Hochwasservorhersagezentrale Magdeburg Chaos in Lauenburg aus. Plötzlich sollte die Flut Donnerstag ihren Höchststand mit „nur“ 9,30 Metern erreichen. Dabei war dieser Wasserstand bereits Montagmittag erreicht. Nun lief die Flut auf den bisher zweithöchsten Stand der Stadtgeschichte auf, erst kommende Woche wird es wohl eine Entspannung geben. „Das mit den Prognosen geht gar nicht. Wir können uns darauf nicht verlassen“, sagt Heuer. Die Technische Einsatzleitung nutzt jetzt einen schwimmenden Pegel, erhielt darüber aber nur Ist-Werte, keine Prognosen.

Heuer hatte in der Altstadt in der Nacht noch einen zweiten Versuch mit den Hochleistungspumpen gestartet. Ohne Erfolg. „Wir mussten das Vorhaben aufgeben, die ganze Elbstraße konnten wir nicht retten.“

Seit mehr als einer Woche arbeiten zeitweise mehr als 1000 Helfer an der Verteidigung Lauenburgs. In der Altstadt ist das Hochwasser gestern stellenweise auf bis zu 70 Zentimeter angestiegen, die braune Brühe schwappte in die Erdgeschosse zahlreicher Häuser der Elbstraße. 600 Einsatzkräfte waren die ganze Nacht durch damit beschäftigt, die Stadt gegen die Flut zu verteidigen. Bei einem Pegelstand von 9,60 Metern gelang das gestern Nachmittag zumindest an der tief gelegenen Hafenstraße. Und auch an der Palmschleuse wirkte die Situation sicher. Allerdings: Der am Montag abgesackte Bahndamm wird die Helfer in den nächsten Tagen weiterhin beschäftigen.

Nachdem das Wasser in Lauenburg und Geesthacht am DIenstaf Abend kaum noch stieg, wird erwartet, dass sich der Wasserstand mit über neun Metern am Hohnstorfer Pegel bis kommende Woche halten wird.