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Mohamed setzt auf Mathehelden

akm Lüneburg. Mohamed Chahin hat eine Vision. Dem Student schwebt ein Mentalitätswandel in der Gesellschaft vor – ausgerechnet auf dem Gebiet der Mathematik. „Mathe ist für viele das Hassfach Nummer 1“, glaubt der 20 Jahre alte Lüneburger. Er hat das Gefühl, gesellschaftlich sei es sogar akzeptiert, schlecht in Mathe zu sein. Oder anders: „Es ist total uncool, gut rechnen zu können.“ Genau das soll sich ändern mit den „Mathehelden“.

So heißt ein neues Nachhilfeportal, aufgebaut wie ein soziales Netzwerk, in dem matheaffine Studenten und mathegeplagte Schüler sich finden – „passgenau und auf Augenhöhe“, hofft Chahin.

Denn praxiserprobt ist sein Modell noch nicht. Das Portal geht erst am Sonntag, 16. Juni, offiziell an den Start. Später als geplant. Neben der Programmierung raubte die Marktanalyse den Jungunternehmern viel Zeit. Gemeinsam mit zwei Mitgründern befragte Mohamed Chahin monatelang Schüler nach ihren Erfahrungen und Bedürfnissen in der Mathedidaktik. „Viele berichten, sie hätten nie den richtigen Lehrer gefunden“, sagt Chahin.

Der Student gibt Pädagogen eine Mitschuld am weitverbreiteten Mathe-Frust: „Viele loben nicht die Leistung oder den Fleiß, sondern die Person.“ Dass jemand aber Mathematik in die Wiege gelegt bekomme, daran glaubt Mohamed nicht. Er selbst sei in der 10. Klasse wegen Mathe sitzen geblieben, heute studiert der Lüneburger Elektrotechnik an der Technischen Universität in Harburg. Talent habe ihn nicht dorthin gebracht.

Dass der Markt mit Mathenachhilfeangeboten bereits boomt, schreckt ihn nicht. Im Gegenteil. „Bis zu 1,5 Milliarden Euro geben Deutsche jährlich für Nachhilfe aus“, sagt er. Und das, obwohl das Ergebnis nicht immer zufriedenstellend sei. Für seine „Mathehelden“ hat Mohamed Chahin viele große Nachhilfeanbieter verglichen. Seine Kritik: zu bürokratisch, zu wenig zielgruppenorientiert, zu unflexibel.

„Es geht fast nie, sich spontan und für nur eine oder zwei Sitzungen anzumelden.“ „Mathehelden“ soll das möglich machen, denn Verträge werden hier nicht abgeschlossen. Stattdessen wählen Schüler aus einem Pool von Nachhilfelehrern ihren Favoriten aus: Kriterien können der Wohnort sein, mathematische Spezialgebiete oder auch der Preis. Eine Feedback-Funktion soll die Qualität sichern. Etwas riskant? Chahin schüttelt den Kopf: „Kein Startup ist zu hundert Prozent dicht“. Soll heißen: Verunsichern lässt er sich nicht.

Schließlich lautet sein Ziel Gründung. Selbstständig will Mohamed Chahin sein, nicht abhängig. Da vernachlässigt der 20-Jährige notfalls auch Defizite – und sei es ein so entscheidendes wie die Finanzierung. Die fehlt den „Mathehelden“ bislang.

Eine Provision, wie vielfach verbreitet, sei schwer vorstellbar: „Haben sich Student und Schüler einmal gefunden, können sie theoretisch unsere Plattform umgehen“, weiß Chahin. Aufgeben wird er deshalb nicht. „Vielleicht heißt es irgendwann, drei coole junge Typen hätten die Mathewelt verändert“, sagt er und lacht.