Donnerstag , 29. September 2016
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Brandstifter muss drei Jahre in Haft

rast Lüneburg. ,,Wenn Leute in Panik aus einem Hochhaus flüchten, kann es schnell zu Verletzungen kommen.“ Das hielt Matthias Steuernagel, Vorsitzender Richter der 2. Großen Strafkammer am Landgericht, einem 26 Jahre alten Kaltenmoorer vor, der andere Menschen gefährdete. Die Kammer hat keinen Zweifel daran, dass der Mann am 18. Dezember 2012 kurz vor 1.30 Uhr in dem elfstöckigen Haus Wilhelm-Leuschner-Straße 30 ein Feuer gelegt hatte. Wegen schwerer Brandstiftung verurteilte ihn das Gericht gestern zu einer Haftstrafe von drei Jahren. Vom Vorwurf einer zweiten Brandstiftung im August 2012 wurde er mangels Beweisen freigesprochen.

Das Tatgeschehen spielte sich laut Urteil so ab: Der Angeklagte hatte in der Nacht mit Kumpels ein paar Häuser weiter gezecht. Als der Mieter seine Gäste vor die Tür setzen wollte und die sich weigerten, kam die Polizei ins Spiel. Die Beamten schickten die Gäste nach draußen. Der 26-Jährige und ein Zechkumpan nahmen noch eine Flasche Wodka mit. Auf der Straße gaben die Beamten dem Angeklagten den Rat, wegen seiner Alkoholisierung sofort ins Bett zu gehen. Mit seinem Bekannten aber zog es ihn zur Wohnung eines anderen Mannes im Haus Leuschner-Straße 30. Als der nicht öffnete, ging das Duo vor die Tür des Onkels des Angeklagten, der ebenfalls in diesem Haus lebt. Der Richter: ,,Wenn der Angeklagte nachts noch Alkohol wollte, ging er häufiger zu seinem Onkel, machte der die Tür nicht auf, trat der Angeklagte auch schon mal die Tür ein.“

Laut Urteil trat der 26-Jährige an diesem Morgen wieder die Tür ein. Sein Kumpan allerdings verschwand. Der Onkel nutzte die Wohnung zu der Zeit nur, um zu kochen und sich zu waschen. Denn es gab dort einen Wasserschaden, es standen Trocknungsgeräte in den Zimmern. Alle Möbel waren daher im Schlafzimmer gestapelt worden — und die zündete der Angeklagte an. Dann flüchtete er. Laut einem Brandsachverständigen hätte das Feuer nicht auf andere Wohnungen übergreifen können. Auf der Straße kam es dann laut Steuernagel zu einem erneuten Treffen des Angeklagten mit seinem Zechkumpan: ,,Ihm erzählte er, dass er die Wohnung abge“fackelt habe.“ Noch an diesem Morgen wurde er von der Polizei festgenommen, die Beamten trafen ihn am Küchentisch schlafend in der Wohnung seiner Eltern an. Die Tat leugnete er allerdings.

Der 26-Jährige hatte zur Tatzeit etwa 2,8 Promille intus, daher schloss das Gericht eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit nicht aus, sah dadurch aber auch keinen minder schweren Fall. Eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wurde nicht angeordnet, hier folgten die Richter dem psychiatrischen Sachverständigen, der im Tenor sagte: Der Kerl säuft zwar an Wochenenden, hält unter der Woche aber gut durch.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann dagegen noch Revision einlegen.