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Die Last der Liebenden

ahe Lüneburg. Lüneburg ist nicht nur reich an Giebeln,sondern auch an Schlössern. Und es werden immer mehr. An der Brausebrücke haben unzählige Verliebte als Zeichen ihrer engen Verbundenheit und der vermeintlichen Dauerhaftigkeit ihres Zusammenseins Vorhängeschlösser befestigt. Was Ende 2010 als bis dahin hier kaum bekannter Brauchtum die Hansestadt erreichte, scheint inzwischen zu einer wahren Inflation zu werden. Nicht nur in Lüneburg: In Lübeck sind die bunten Liebesschlösser nun sogar zu einem echten Problem geworden. Eine Brücke an der Obertrave trägt so schwer an der Liebeslast, dass die Stadt dem Brauch nun einem Bericht der ,,Welt“ zufolge Einhalt gebietet.

Der Architekt der Brücke hat Alarm geschlagen, fürchtet um die Statik des Bauwerks. Neue Schlösser, die symbolisieren, dass die Liebe zweier Menschen so unzerbrechlich ist wie robuster Stahl, sollen nun nicht mehr aufgehängt werden. Droht ein solches Einschreiten der Stadt nun auch in Lüneburg? ,,Nein“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck, ,,wir sehen aktuell an der Brausebrücke kein statisches Problem und werden die Schlösser nicht entfernen, sondern weiter dulden.“ Der Lübecker Fall sei anders gelagert, die Brücke anders konstruiert.

Der Brauch, ein Schloss an einem Brückengeländer aufzuhängen und den Schlüssel ins Wasser zu werfen, ist inzwischen weit verbreitet, seinen Ursprung hat er nach Einschätzungen von Wissenschaftlern in Italien. Doch er ist noch jung, auch in Rom seien die ersten Liebesschlösser nicht vor den 1990er-Jahren aufgetaucht.

Mit der Tolerierung an der Brausebrücke gibt sich die Stadt Lüneburg im Übrigen gelassener als noch vor gut zwei Jahren. Damals hatte die Verwaltung noch appelliert, die Schlösser an anderer Stelle anzubringen, sie täten den Geländern nicht sonderlich gut, Beschädigungen der Oberfläche und zunehmender Rost seien die Folge. Die Ausweichempfehlung auf einen Zaun vor der damaligen St.-Ursula-Schule fruchtete nicht, die Drohung, sonst notfalls mit der Flex anzurücken aber machte die Stadt auch nicht wahr. Sie scheint sich inzwischen damit abgefunden zu haben, dass bei Verliebten mit der romantischen Stintkulisse nichts mithalten kann.