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Wer schafft die Säcke weg?

dth Bleckede/Lüneburg. Die Elbe steht immer noch bedrohlich hoch an den Deichen im Kreis Lüneburg. Dennoch wird jetzt schon für die Zeit danach geplant – und es zeichnet sich ab: Der Kreis hat ein Sandsack-Problem. Nur diesmal geht es nicht darum, möglichst schnell, massenweise Sandsäcke an die Deiche zu schaffen, sondern um die Fragen, wer räumt sie wieder ab und wohin? 2,1 bis 2,5 Millionen gefüllte Sandsäcke liegen laut Kreisverwaltung auf oder an den Deichen. Ganz zu schweigen von mehreren Kilometern Schutzfolie. Intern gibt es bereits vage Überlegungen, nicht nur Freiwillige, sondern auch Arbeitslose zum Aufräumen einzusetzen. Denn fest steht: Bundeswehr oder Einsatzkräfte der Feuerwehren stehen dafür nicht zur Verfügung.

„Die Feuerwehren sind zur Gefahrenabwehr da“, sagt auf LZ-Nachfrage Henning Banse, Stadtbrandmeister in Bleckede und stellvertretender Kreisbrandmeister. „Auch wenn jetzt schon teilweise so getan wird, als wäre alles wieder normal, haben wir immer noch ein außerordentliches Hochwasser. Deswegen bleibt auch die Feuerwehr Bleckede an den Deichen wachsam. Alles andere müssen Deichverbände und der Kreis untereinander klären.“

Deutlichere Worte findet Kreisbrandmeister Torsten Hensel: „Für das Herunterschaffen des Materials von den Deichen sehe ich unsere Feuerwehren nicht in der Pflicht. Da müssen andere Lösungen gefunden werden.“ Und dass auch die Bundeswehr nicht zum Entleeren der Sandsäcke antreten wird, hatte bereits Bundesverteidigungsminister Thomas de MaiziÉre bei seinem Besuch in Dannenberg klargemacht.

Nachdem der Kreis Lüneburg den Katastrophenalarm am Sonntag beendet hat, ist die Hauptverantwortung für die Arbeiten an den Deichen wieder zurückgegangen an den Artlenburger Deichverband (linkselbisch) sowie den Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband (rechtselbisch). Doch Norbert Thiemann, Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes, sagt auf LZ-Nachfrage: „Wir sind auf Hilfe angewiesen, diese Berge von Sandsäcken wieder abzutragen.“

Von Sassendorf bis Barförde lagern noch 480 Paletten mit Sandsäcken an den Deichen, ähnlich sieht es laut Thiemann zwischen Sassendorf und dem Elbe-Seitenkanal und von dort bis zum Wehr Geesthacht aus. „Und auch diese Massen gilt es zu beseitigen.“

Ein Anfang wird gemacht, wenn im Auftrag des Artlenburger Deichverbandes ab Ende der Woche eine Deichbaufirma zwischen Bleckede und Alt Garge die Aufkadungen auf den Deichkronen zurückbaut. Thiemann: „Dafür geht der Deichverband in Vorleistung.“ Er rechnet mit Kosten in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro insgesamt für Rückbau- und Aufräummaßnahmen. Allein könne der Verband das nicht schultern. „Wir wollen beim Umweltministerium eine finanzielle Soforthilfe beantragen.“ Noch düsterer sehe es beim Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband aus, sagt dessen Geschäftsführer Jürgen Sass. „Wir haben mehr Deiche, weniger Beitragszahler und keine Rücklagen. Deswegen haben wir beim Landkreis vorgeschlagen, die Aufräumarbeiten – ähnlich wie nach dem Hochwasser 2002 – über eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu organisieren. Nur mit freiwilligen Helfern werden wir das jedenfalls nicht schaffen können.“ Allein auf der Neuhauser Elbseite liegen laut Sass rund eine Million Sandsäcke.

Ein klärendes Gespräch zu den Aufräumarbeiten soll am Donnerstag, 20. Juni, in der Lüneburger Kreisverwaltung stattfinden. Dann soll auch entschieden werden, ob doch noch ein Aufruf an freiwillige Helfer erfolgen wird. Kreissprecherin Frauke Noweck sagt dazu auf LZ-Nachfrage nur so viel: „Wir haben ein Interesse daran, dass die Sandsack-Entsorgung möglichst günstig und die Arbeiten koordiniert ablaufen.“