Donnerstag , 29. September 2016
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Stahlkorsett für Pfeiler im Rathauskeller

ca Lüneburg. Stück für Stück saniert die Stadt das Rathaus nach einem auf zwanzig Jahre angelegten Masterplan. Auch der Ratskeller ist ein Pflegefall. Jetzt stieg der Bauausschuss in die Tiefe, um sich ein Bild zu machen. Inga Reimers von der Bauverwaltung und Architekt Lennart Hellberg, dessen Büro die Arbeiten begleitet, erklärten, was geschieht. Im Ambrosiuskeller, der liegt an der Waagestraße zwei Geschosse unter der Gerichtslaube, musste ein maroder Stützpfeiler entlastet werden. Es reichte nicht aus, quasi einen gut 100 Jahre alten verrosteten Eisengürtel zu erneuern. Platten und sechs Meter lange Pfähle im Erdreich sorgen für eine Verankerung im Boden. Zugleich haben Fachleute an Stützstreben eine aufwendige Edelstahl-Konstruktion angebracht, die den Pfeiler vom Druck entlastet und diesen in Seitenwände abführt. Kosten: knapp 400 000 Euro, von denen Bund und Land über Fördermittel 234 000 Euro tragen.

Während der Ambrosiuskeller ehedem als Weinlager und seit Jahrzehnten aufgrund von Feuchtigkeit kaum noch genutzt wurde, war das mit dem eigentlichen Ratskeller anders. Ende 2010 schloss die Wirtsfamilie Behr das Lokal. Danach, so der Plan der Stadt, sollte das Restaurant saniert und unter neuer Leitung wieder eröffnet werden. Doch die beauftragte städtische Wohnungsbaugesellschaft Lüwobau hatte keinen Erfolg. Sie fand keinen Nachfolger – und vor allem ergaben Untersuchungen, dass die Räume in Mauern und Vertäfelung mit gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet sind. So wurde in den 50er-Jahren Teer auf Böden und an Wände gestrichen, um Feuchtigkeit fernzuhalten. Aber der Teer entwickelt bedenkliche Ausdünstungen. Nur eins von mehreren Problemen. Probesanierungen haben ergeben, man könnte all dem Herr werden – aber mit großem finanziellen Aufwand.

Aus Sicht der Stadt macht all das aktuell keinen Sinn, denn die Lüwobau fand trotz intensiver Suche keinen neuen Pächter für den Ratskeller. Ein paar Arbeiten wurden erledigt, um eindringende Nässe zu minimieren. Nun ist alles eingemottet worden – bis sich vielleicht doch irgendwann ein neuer Kneipier findet.