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Muss das Mäxx ausziehen?

ca Lüneburg. Eigentlich ist der Mietvertrag für das Szenelokal Mäxx an der Schröderstraße gekündigt. Nach dem Willen des Vermieters hätte der Pächter das Lokal bereits Ende März räumen sollen. Doch die Betreiber machen weiter. Nun soll das Landgericht quasi den Feierabend einläuten. Die 4. Zivilkammer hatte die Beteiligten gestern an ihren Tisch geladen. Ein Urteil gab es nicht, erst am 6. August soll eine Entscheidung fallen. Auf den ersten Blick scheint die Lage verworren wie ein Stammtischstreit nach dem siebten Bier.

In der Verhandlung pustete der Richter die Rauchschwaden über dem Getümmel zur Seite und erklärte die Lage: Ein Pächter hat 2011 mit dem Hausbesitzer einen Mietvertrag über neun Jahre, also bis 2020, geschlossen. Der Pächter wiederum setzte mit der Levante GmbH einen Untermietvertrag auf. Sie betreibt das Mäxx. Anfang dieses Jahres aber erklärte der Pächter gegenüber dem Vermieter, er wolle den Vertrag „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ kündigen. Das akzeptierte dieser, sein Rechtsanwalt Sebastian Jäkel setzte ein entsprechendes Schreiben auf, zum 31. März 2013 solle das Lokal übergeben werden. Das habe der Pächter akzeptiert, sagte Jäkel. Sogar schriftlich. Weil Gespräche nichts gebracht hätten, betreibe der Vermieter nun die Räumungsklage.

Doch der Untermieter, also die Levante GmbH, will nicht weichen. Ihr Gesellschafter Demir Tas erklärte dem Gericht: Eine Räumung sei nicht möglich, weder in drei, sechs noch in zwölf Monaten, schließlich habe das Unternehmen erheblich in die Räume des Mäxx investiert. Außerdem müsse er noch Fragen mit dem Pächter als seinem Partner klären.

Doch die Argumentation erschien dem Richter wenig schlüssig: Denn der Hausbesitzer und die Levante GmbH haben gar kein Mietverhältnis miteinander. Untermieter Tas könne sich an den Pächter als seinen Vertragspartner halten, nicht aber an den Eigentümer. Das Gericht hat Tas nun Zeit für eine Stellungnahme eingeräumt bis zum 19. Juli, am 6. August will es seine Entscheidung bekanntgeben: Entweder wird dann noch einmal verhandelt oder die Kammer spricht ein Urteil.

Der Vermieter des Mäxx und sein Anwalt Jäkel haben noch eine zweite Kampflinie eröffnet mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen die Verwaltung. Aus ihrer Sicht betreibt die Levante GmbH die Außengastronomie an der Schröderstraße zu Unrecht. Das Rathaus hätte aufgrund der Kündigung des Mietvertrages keine Gestattung erteilen dürfen für Tische und Stühle vor dem Lokal. Stadtsprecherin Suzanne Moenck sagt hingegen: Durch die ungeklärte Frage des Mietvertrages sei alles in der Schwebe, die Stadt habe der Levante GmbH für die Außenbewirtschaftung eine Genehmigung erteilen müssen. Gegen diesen Bescheid ist der Hauseigentümer vor das Verwaltungsgericht gezogen, eine Entscheidung liegt noch nicht vor.

Hinter dieser Geschichte steckt noch eine andere, die in Lüneburger Juristenkreisen erzählt wird, und die hat mit Mehmet Sevim zu tun, der das Mäxx lange Jahre betrieben hat. Seitdem ihm vorgeworfen wird, Steuern in Höhe von mehreren Millionen Euro nicht ordnungsgemäß gezahlt zu haben, soll er sich seit Mitte 2011 bei einem langen Urlaub in der Türkei erholen. Sevims Nachfolger als Mieter des Mäxx soll ein Verwandter seiner Frau sein.

Dieser soll als Pächter wiederum den Untermietvertrag mit der Levante GmbH geschlossen haben. Deren Gesellschafter Tas ist der Familie Sevim nach eigenem Bekunden als Berater verbunden und tauchte schon bei anderen Geschäften der Sevims auf.

Angeblich soll der Verwandte von Mehmet Sevims Frau den Mietvertrag plötzlich gekündigt haben, nachdem die Steuerfahndung, wie berichtet, Anfang des Jahres bei einer Großaktion an mehreren Orten mit 200 Beamten zu mehr als einem Dutzend Durchsuchungen ausschwärmte.