Dienstag , 27. September 2016
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Hundehalter auf dem Prüfstand

lkö Lüneburg. Mischlingsrüde Gromit tobt durch den Lüneburger Kurpark. Doch Charlotte Schnasse muss ihren Hund nur einmal rufen, dann kommt er und setzt sich erwartungsvoll vor sie. Doch das ist nicht der Regelfall bei allen Hunden und ihren Frauchen oder Herrchen. Deshalb hat der Niedersächsische Landtag ein neues Gesetz beschlossen: Ab 1. Juli müssen Hundebesitzer neben einer zwischen 17,25 und 28 Euro teuren Anmeldung ihrer Vierbeiner ab einem Alter von sechs Monaten bei einem zentralen Register auch jeweils einen sogenannten Sachkundenachweis vorweisen. Das neue Gesetz stößt nicht überall auf Begeisterung – vor allem wegen der Kosten, die nun zusätzlich zur Hundesteuer anfallen.

„Es geht darum, dass niemand belästigt wird, weder Menschen, die nichts mit Hunden zu tun haben wollen, noch andere Hunde oder Hundehalter“, erklärt Hundeprüferin und Tierärztin Isabel Röbbelen aus Scharnebeck. Sie gehört der Arbeitsgruppe an, die sich mit der konkreten Umsetzung des Gesetzes befasst hat. Es gehe hauptsächlich darum, das Bewusstsein der Hundehalter zu schärfen, erklärt Frank Stummeier von der Hundeschule Freundschaft ohne Leine: „Für einige Hundehalter ist es selbstverständlich, dass ihr Hund auf andere Menschen zurennt, ,der will ja nur spielen‘ heißt es dann.“

Vor der Anschaffung eines Vierbeiners ist eine theoretische Sachkundeprüfung abzulegen, in der unter anderem Kenntnisse über Hundehaltung, Sozialverhalten und das Erziehen von Hunden abgefragt werden. Miriam Meyn von meyne Hundeschule in Lüneburg findet das sinnvoll: „Es ist gut, dass sich die künftigen Hundehalter vorher informieren und nicht erst, wenn es Probleme gibt.“ Im ersten Jahr der Hundehaltung ist dann eine praktische Prüfung abzulegen, in der der Umgang mit dem Hund in unterschiedlichen Situationen geprüft wird.

Charlotte Schnasse wird die Prüfung demnächst auch ablegen müssen, sie hat damit kein Problem: „Grundsätzlich ist das ’ne feine Sache. Der Nachweis lässt die Leute vielleicht auch zweimal überlegen, ob sie sich einen Hund anschaffen.“ Doch sie gibt zu bedenken, dass sie oft Hundehalter erlebe, die ihre Vierbeiner zwar schon jahrelang haben, sie aber trotzdem nicht im Griff haben. Solche Herrchen sind durch die neue Regelung nicht betroffen, denn wer länger als zwei Jahre ununterbrochen einen Hund gehalten hat, gilt laut Gesetz als sachkundig und muss die Prüfung nicht ablegen.

Simon Kalesse ist mit seinem Hund Balu im Kurpark unterwegs. In einer Hundeschule war er mit ihm nicht: „Ich habe ihn auch so vernünftig hingekriegt, ohne dass mir da einer auf die Finger geklopft hat.“ Dennoch glaubt auch er, dass der Hundeführerschein gerade für Ersthundehalter wohl „ganz gut“ sei.

Die Anforderungen der beiden Prüfungen waren lange Zeit nicht klar definiert, jetzt sind sie festgelegt. Hundeprüferin Isabel Röbbelen sagt: „Die Prüfung für den Sachkundenachweis ist wesentlich einfacher als andere Hundeprüfungen. Der Nachweis soll für jeden machbar sein.“ Bei dem Test gehe es vor allem um den Hundehalter, nicht um den Hund. Die Kosten für die Prüfungen werden sich auf jeweils etwa 40 Euro belaufen, über den genauen Betrag entscheiden die jeweiligen Prüfer. Ein Vorbereitungskursus an einer Hundeschule sei nicht vorgeschrieben, Röbbelen hält den aber für „ratsam“.

Die Anmeldungen bei dem zentralen Register ist deshalb vorgeschrieben, damit Halter, sofern ihr Tier einen Schaden anrichtet, zur Rechenschaft gezogen werden können. Die Hunde müssen einen entsprechenden Chip tragen, damit sie zugeordnet werden können. Die Registrierung ist ab 24. Juni auf www.hunderegister-nds.de im Internet möglich.

Mehr Informationen zur Neufassung des Hundegesetzes sind unter www.ml.niedersachsen.de im Internet zu finden.