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Fleischlos glücklich

ina Adendorf. Veganer haben ihre eigene Sicht – auf die Welt im Allgemeinen, und die Ernährung im Besonderen. Kein Deutscher, sagen sie, würde seinen Hund essen. Weil er eine Seele hat, weil er denkt und fühlt. Wieso aber essen Menschen Unmengen anderer Tiere?, fragen Veganer und haben oft Zahlen parat: Pro Minute werden laut Statistischem Bundesamt 1341 Hühner oder Puten, 112 Schweine und sieben Rinder verzehrt. „Auch sie sind besondere Geschöpfe und haben ein Recht auf eine würdevolle Existenz“, sagt Frauke Girus-Nowoczyn. Die Homöopathin und Ernährungsexpertin referierte jetzt auf Einladung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in der Adendorfer Bücherei über die Vorteile veganer Ernährung.

Sie selbst lebt nach diesem Prinzip bereits seit rund zehn Jahren. „Davor ernährte ich mich schon viele Jahre vegetarisch, doch der Verzicht auf Milchprodukte und Eier hat meinen körperlichen Zustand noch wesentlich verbessert.“

Glaubt man Veganern, ist das Streichen tierischer Produkte aus dem Ernährungsplan kein Verzicht. Im Gegenteil: Wegen des gesundheitssteigernden Effekts könne rein pflanzliche Ernährung bereichernd sein.

Einer aktuellen Studie der Universität Oxford zufolge haben Vegetarier ein deutlich geringeres Risiko an Krebs zu erkranken als Fleischesser. Aber nicht nur Fleisch, auch der hohe Konsum an tierischem Eiweiß aus Milchprodukten steht im Verdacht, der Gesundheit zu schaden. Statt, wie von der Milchindustrie beschworen, Mineralstoffmangel aufzuheben, soll der Konsum von Milchprodukten durch Übersäuerung zu Osteoporose (Knochenschwund) führen. Die Knochendichte nehme bei hohem Konsum tierischer Eiweiße doppelt so schnell ab wie bei geringem Verzehr.

„Viele pflanzliche Lebensmittel wie dunkelgrünes Gemüse, Wildpflanzen, Nüsse, Samen sind wichtige Kalziumlieferanten, doch der Marketing-Etat für Brokkoli und Grünkohl liegt deutlich unter den 250 Millionen Euro, mit dem Milch und Milchprodukte jährlich beworben würden.

Pflanzliche Lebensmittel liefern laut der Ernährungsexpertin darüber hinaus essenzielle Nähr-, Ballast- und sekundäre Pflanzenstoffe, die vor chronischen Krankheiten schützen. Zudem nähmen Veganer weniger gesundheitsgefährdende Stoffe wie gesättigte Fettsäuren und Cholesterin auf – denn diese sind hauptsächlich in Fleisch, Wurst sowie in fetten Milchprodukten wie Butter, Sahne und Käse enthalten.

Wer Fleisch isst, trage, so die Expertin, nicht nur dazu bei, „dass Tiere gequält“, sondern auch, dass kostbare Ressourcen verschwendet werden und unsere Umwelt zerstört wird. Laut Welternährungsorganisation sei die Herstellung tierischer Produkte einer der Hauptverursacher der schlimmsten Umweltprobleme. Etwa 70 Prozent der erschlossenen Wasserressourcen flössen in die Landwirtschaft. In einem Kilo Fleisch steckten rund 15 500 Liter Wasser. Allein für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch könnte man eine 100-Watt-Glühbirne 20 Tage brennen lassen. Frauke Girus-Nowoczyn: „Allein in Südamerika sind in den letzten vier Jahrzehnten 40 Prozent des Regenwaldes Weideflächen oder der Produktion von Futtermitteln zum Opfer gefallen.“ Und es werde weiter gerodet. Ihr Fazit: „Vegane Ernährung macht glücklich“ – nicht nur Menschen. Doch die Ansichten zu diesem Thema sind sicherlich so vielfältig wie die Ernährung selbst.