Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Zuschlag für LSK-Platz

jj Lüneburg. Zwölf Jahre nach der Pleite scheint das Schicksal des traditionsreichen Lüneburger SK zumindest in Wilschenbruch endgültig besiegelt. Der Fußballplatz, der schon vor Jahren aus dem Landschaftsschutz genommen und als Baugebiet „Auekamp“ ausgewiesen wurde, wird verkauft. Und läuft alles nach Plan, rollen schon im nächsten Frühjahr die Bagger für die Erschließung im künftigen Villenviertel. Denn das Bieterverfahren für das Gelände ist beendet. Ein Investor aus Geesthacht hat das höchste Gebot abgegeben.

Laut einem vertraulichen Papier der Stadt weist dieser Bieter gute Referenzen auf, kennt das Geschäft mit den Kommunen und hat schon mehr als „21 Baugebiete abgewickelt. Aktuell ist er als Erschließungsträger in vier Gemeinden tätig“, heißt es.

Verkauft werden sollen insgesamt fünf Hektar, davon gehören dem LSK rund drei – verwertet durch einen Liquidator, der das Bieterverfahren mit angeschoben hat. Der Stadt und einer städtischen Stiftung gehören fast zwei Hektar des Geländes. Hauptgläubigerin ist die Sparkasse Lüneburg.

Schon vor mehr als einem Jahr hatte die Stadt dem Geldinstitut, das das größte Vermarktungsinteresse habe, ihr Areal überlassen, damit ein Erschließungsträger für die Gesamtfläche gefunden wird, heißt es in dem Papier.

Eine kleine Anzeige im LZ-Immobilienteil brachte dann im März LSK-Hansa-Spitzen, die kurz darauf auch noch die Steuerfahnder zu Gast hatten, in Harnisch. 49 000 Quadratmeter Baugrundstück „in exklusiver Wohnlage für Villenbebauung“ wurden da angeboten. Nicht nur für Eingeweihte war klar, für welches Gelände dort geboten werden sollte.

Seit Jahren verantwortet der „LSK Hansa“, 2008 gegründet, den Spielbetrieb – nicht zuletzt wegen der Insolvenz des alten LSK. Nun muss sich der Verein vermutlich schnell um eine neue Heimat bemühen.

Denn auch der Rat der Stadt machte Mittwochabend in nicht-öffentlicher Sitzung den Weg frei, damit die Verwaltung den Kaufvertrag umsetzen kann. Der Beschluss fiel einstimmig, heißt es von mehreren Ratsmitgliedern übereinstimmend.

Insgesamt wurde im Bieterverfahren allerdings nicht ganz der vom Gutachterausschuss errechnete Preis von 89 Euro pro Quadratmeter erzielt. Der Hintergrund wird in der Ratsvorlage angeschnitten: Das Überschwemmungsgebiet an der Ilmenau, dort liegt der Platz, wurde neu zugeschnitten, LZ berichtete. Das drückt den Preis. Aber immerhin um die 1,5 Millionen Euro brutto könnten rein rechnerisch allein für die städtischen Flächen erzielt werden.

Erschließungs- und Kaufvertrag, so steht es im Papier, sollen in einem Zuge unterschrieben werden. Alles ist fürs Jahresende geplant. Baubeginn: Frühjahr 2014. Auf dem Gelände sollen etwas mehr als 20 Häuser auf großzügigen Grundstücken entstehen.

LSK-Präsident Manfred Harder: „Das Gute am Verkauf könnte sein, dass unser alter Verein schuldenfrei und wieder aktiv werden kann. Das Schlechte an der Nachricht ist, dass die Bebauung geplant ist. Es gibt dann in Lüneburg keine Sportanlage mehr, die die Auflagen für Oberliga-Fußball erfüllt, es gibt keine Spielstätte mehr für den LSK.“

Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagt auf Anfrage: „Wir sprechen seit 13 Jahren über Alternativen für den Verein, von Erfolg gesegnet war das bisher nicht.“ In der Frage, wo künftig das LSK-Leder rollen könnte, lagen zwischen den Vorstellungen von Verein und Stadt bisher Welten. „Ich sehe zum Beispiel nicht, dass wir für fünf bis acht Millionen Euro ein neues Stadion bauen. Unser Geld aus dem Verkauf fließt in die Schuldentilgung der Stadt, so haben wir das im Zukunftsvertrag mit dem Land festgeschrieben.“

Aber beim Verkauf könnte wohl auch für den LSK-Anteil ein Preis erzielt werden, der die Schulden des Vereins übersteigt. Doch es gibt dazu Bürgen, die noch auf Geld warten, den Insolvenzverwalter und andere Kosten. Was unterm Strich bleibt, ist noch reine Spekulation. Bitter wird es für die vielen Helfer, die mit Kulturaktionen, Petitionen und Herzblut den Verein in Wilschenbruch halten wollen. Die Mühen, scheint es jetzt, waren vergebens.