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Von Brücken, Bullen und Banknoten

off Hohnstorf/Elbe. Zwischen Leander und den Millionen liegen nur wenige Seiten. Das knittrige Schwarz-Weiß-Foto des Zuchtbullen und die vergilbten Reichsbanknoten der 1920er-Jahre kleben auf dicken Papierblättern in der Mitte der lange verschollenen Hohnstorfer Chronik, zwei Zeugen der Dorfgeschichte, die jahrzehntelang niemand mehr angesehen hat. Doch vor wenigen Wochen sind der dicke Lederband und eine kleine Chronik über Sassendorf überraschend wieder aufgetaucht — und seitdem häufen sich bei der Hohnstorfer Gemeindeverwaltung die Anfragen auf Einsichtnahme. Für Bürgermeister André Feit Anlass genug, um am Sonntag, 23. Juni, von 11 bis 13 Uhr zum „Chronik gucken“ mit Frühschoppen ins Gemeindebüro, Schulstraße 1, einzuladen. Gelegenheit für alle interessierten Bürger und Hobbyhistoriker zur Reise in die Vergangenheit.
Mit der LZ hat Feit schon vorab einen Blick in die Chronik geworfen, die vermutlich Mitte der 1930er-Jahre angelegt wurde. „Damals haben die Nationalsozialisten die Stelle des Dorfbuchschreibers in jeder Gemeinde verpflichtend eingeführt“, erklärt Feit. Aus der NS-Zeit selbst finden sich allerdings kaum Aufzeichnungen in der Chronik, „möglicherweise wurden sie nach Kriegsende rausgenommen und vernichtet“.
Zahlreich vorhanden sind hingegen andere Fotos und Originaldokumente, gleich mehrere gelbstichige Postkarten zeigen das alte Hohnstorfer Strandbad am Fischerzug, es gibt Fotos der früheren Elbbrücke und Bauplanvarianten für die neue Elbquerung, Lebensmittelmarken aus der Nachkriegszeit und Aufnahmen von Hohnstorfer Fischern, Jägern, Bauern und Sportlern. Ebenfalls Teil der Chronik sind die Stammbäume der Hohnstorfer Höfe, außerdem gibt es eine Umrechnungstabelle für Papier- in Goldmark.
Das einzige Problem beim Sichten der Chronik: „Alle Texte sind in einer altdeutschen Schrift verfasst, die für Laien wie mich nur sehr schwer zu entziffern ist“, sagt Feit. Doch auch beim „Chronik gucken“ allein kann man schon einiges lernen über Hohnstorf, seine Zuchtbullen und Millionen.