Mittwoch , 28. September 2016
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Kita- statt Herdprämie

dth Amelinghausen. Einen Contra-Punkt zum umstrittenen Betreuungsgeld der Bundesregierung, das Eltern belohnt, die ihre Kinder zuhause betreuen, könnte demnächst die Gemeinde Amelinghausen setzen. Im Gespräch ist die Einführung eines Gutschein-Systems, das Amelinghausener Eltern einen zusätzlichen Anreiz gibt, ihre Kinder einer Krippe oder Kita anzuvertrauen. Für ein Jahr soll es dafür einen Gutschein im Wert von bis zu 360 Euro pro Kind geben. Der Betrag könne auch für andere Angebote eingelöst werden, vom Kindersport bis zur musikalischen Früherziehung. Noch steht aber eine Ratsentscheidung dazu aus.
Den Stein des Anstoßes zum Gutschein-System hatte indirekt der Grüne Detlev Schulz-Hendel im März gegeben. Der Vorsitzende des Sozialausschusses der Gemeinde Amelinghausen hatte eigentlich gefordert, mit Beginn des Kindergartenjahres 2013/2014 zunächst das zweite Kindergartenjahr gebührenfrei zu halten und zum 1. August 2014 die Kita-Gebühren in der Kommune komplett abzuschaffen. Offene Türen rannte er damit bei Amelinghausens Gemeindedirektor Helmut Völker ein, der aber mahnte: „Wir müssen auch sehen, wie das finanzverträglich in die Gesamtstruktur von Mitgliedsgemeinden und Samtgemeinde passt.“
Bei der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses Ende Mai legte Völker den Kompromissvorschlag auf den Tisch: Das Konzept vom Bildungsgutschein. Demnach könnten Eltern ab 1. August profitieren, deren Kind den Hauptwohnsitz in der Gemeinde hat, bis zu fünf Jahre alt ist und eine „anerkannte frühkindliche Betreuungs- oder Bildungseinrichtung“ besucht. Schulz-Hendel sagt: „Ich hätte mir zwar mehr gewünscht, aber dafür profitieren von der Zahl her mehr Kinder als bei der Beitragsfreiheit fürs zweite Kindergartenjahr. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.“
Anspruchsberechtigt wären laut Verwaltung zwischen 155 bis 170 Kinder. Der zeitgebundene Wertgutschein in Höhe von maximal 360 Euro kann laut Entwurf zur Mitfinanzierung der Elternbeiträge verrechnet werden oder zur Bezahlung von Angeboten wie pädagogischem Mittagstisch bis hin zur Begleichung von Vereinsbeiträgen für die Kinder eingesetzt werden. Geschätzter Kostenpunkt für die Gemeinde: rund 60000 Euro.
Nobert Thiemann (CDU), ehrenamtlicher Bürgermeister und Ratsvorsitzender, hatte zwar in den vergangenen Wochen als Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes mehr mit Hochwasser als mit Kommunalpolitik zu kämpfen, sagte aber auf LZ-Nachfrage: „Ich habe die Diskussion verfolgt und gehe am Montag im Rat von einer breiten Zustimmung für das Gutschein-System aus. Zwar müssen wir das von Jahr zu Jahr neu betrachten, aber im Moment gibt es die Haushaltslage her. Und Mensch, worauf wollen wir sonst noch setzen, wenn nicht auf unsere Kinder. Die sind unsere Zukunft und da lohnt sich jede Investition.“ Der Gemeinderat Amelinghausen tagt dazu öffentlich am Montag, 24. Juni, um 20 Uhr im Kultursaal des Rathauses Amelinghausen (Lüneburger Straße 50).