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Die netten Nachbarn

lkö Lüneburg. Lucas quietscht vergnügt, als seine Mutter Jana Richter das Tor zu ihrem Kleingarten aufstößt. Schnurstracks läuft er nach nebenan, schnappt sich einen Ball aus dem Nachbarsgarten. „Wir verstehen uns so gut mit unseren Nachbarn, dass beide Gärten mit einem Durchgang verbunden sind“, sagt Jana Richter und lächelt. Der Kleingarten der Familie gehört zur Kolonie Moldenweg. Alles grünt, es ist ruhig, die Kleingärtner grüßen sich im Vorbeigehen, klönen von Zaun zu Zaun.
Die kleinen Wege, die durch die Anlage führen, heißen Bambiweg, Igelgang oder Hasenpfad. Diese Oase gibt es nun seit 75 Jahren, am Sonnabend, 22. Juni, feiert sie ihr Jubiläum. Was hat sich hier verändert im Laufe der Jahre? „Ich glaube, der Erholungswert ist noch gestiegen“, vermutet der Vorsitzende Norbert Frie. 75 Parzellen sind derzeit vermietet, jede sieht anders aus. Viele Pächter nutzen den Garten zum Entspannen, um frische Luft zu tanken, zum Grillen. Aber natürlich wird auch Obst und Gemüse angebaut. „Das Kleingartengesetz schreibt vor, dass in einem Drittel des Gartens Nutzpflanzen angebaut sein sollten“, erklärt Frie. Im Garten der Richters wachsen dieses Jahr Aprikosen, Zwetschgen, Äpfel und Johannisbeeren. „Es ist schön, hier ein paar Stunden an der frischen Luft zu arbeiten, danach fühlt man sich gut“, schwärmt Jana Richter. „Für Lucas ist es sowieso das Beste.“
Fünf Minuten braucht die Familie aus der Stadt hierher: „Wir versuchen, so oft wie möglich zu kommen, jetzt bei dem schönen Wetter natürlich noch mehr.“ Das Vorurteil, dass Kleingärten nur etwas für Rentner sind, kann Frie widerlegen: „Das ist nicht mehr so. Wir haben auch viele Familien und junge Leute. Bei uns ist alles bunt durchmischt, von der Baronin bis zum Müllwerker.“ Der größte Trumpf, mit dem die 6,6 Hektar große Kolonie werben kann, ist neben der guten Nachbarschaft die blendende Aussicht über den Kreidebergsee, auf die Lüneburger Innenstadt. Deshalb sind regelmäßig viele Spaziergänger und Jogger auf den Wegen der Anlage anzutreffen.
Einst war die große Mehrheit der Kleingärtner in der nahegelegenen Keula-Hütte beschäftigt, genoss hier nach harter Arbeit die Natur am Rande des Stadtzentrums. Heute wird das Jubiläum der Kleingärtner am Moldenweg gefeiert. Ab 19 Uhr ist jeder herzlich eingeladen, sich die Kolonie anzusehen und mit den Vereinsmitgliedern beim netten Beisammensein zu klönen.