Mittwoch , 28. September 2016
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„Heirat“ der Kirchenkreisämter

ca Lüneburg. Auf den ersten Blick mutet es fast widersinnig an: Anders als in anderen Landstrichen Niedersachsens steigen in den Landkreisen Lüneburg und Harburg die Einwohnerzahlen, trotzdem will die Landeskirche Einrichtungen zusammenlegen, da sie einen Mitgliederschwund und damit sinkende Einnahmen befürchtet. Daher sollen die Kirchenkreisämter der beiden Regionen zwischen 2017 und 2020 fusionieren. Der Beschluss der Landessynode ist schon Jahre alt, berichten Lüneburgs Superinten-dentin Christine Schmid und ihr Bleckeder Kollegen Christian Cordes. Bislang habe man auf Kooperation etwa bei der Datenverarbeitung gesetzt und gehofft, dass dies reiche. Doch der Zusammenschluss scheint nun unausweichlich.

Die Grenzen der Kirchenkreise orientieren sich nur zum Teil an den Grenzen der Landkreise. So gibt es die Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede auf der einen Seite und auf der anderen Winsen und Hittfeld. Christine Schmid berichtet, dass keiner der Betroffenen das eigene Amt leichten Herzens aufgeben wolle. Im Zweifel sind weite Wege zurückzulegen, etwa zwischen Tostedt und Tripkau im Amt Neuhaus. Cordes betont: „Alle Beteiligten können sich nicht vorstellen, dass es keine Vertretungen mehr vor Ort gibt.“ Doch gleichzeitig sehen die Kirchenleute auch, dass sie an Zuspruch verlieren. Laut Prognose der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) werde man bis 2030 etwa 30 Prozent weniger Mitglieder und ein Minus von 50 Prozent bei den Einnahmen verzeichnen.

Da die Christen in beiden Landkreisen weiterhin Ansprechpartner vor Ort haben wollen, schwebt ihnen ein Zusammenschluss vor, der Aufgabengebiete teilt und bei dem es wechselseitige Vertretungen geben könnte. So hätte man am Ende eine Leitung samt Stellvertreter. Für Christine Schmid ist das Ganze unter anderem eine Rechenaufgabe: Lege man die Ämter an einem Ort zusammen, bräuchte man ein neues Gebäude: „Das kostet Millionen.“ Und der erhoffte Einspareffekt wäre perdu. Sinnvoller wäre es, die jetzigen Immobilien weiter zu erhalten und zu pflegen. Cordes unterstreicht, dass in dem anstehenden Prozess viele einbezogen werden sollen, um die „Heirat“ gemeinsam zu entwickeln und zu tragen.

Dieses Vorgehen haben die Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede schon hinter sich. Auch sie sollen sich zu einer Einheit zusammenfinden. Die Bleckeder haben nach langer Diskussion bekanntlich im April zugestimmt, die Lüneburger werden es voraussichtlich beim Kirchenkreistag im August tun. Im Herbst könnte die Partnerschaft beginnen.

Cordes erklärt, dass der demographische Wandel im Osten des Landkreises Lüneburg besonders zu spüren sei. Zählte sein Kirchenkreis 2009 noch 28 000 Mitglieder, sind es heute 2000 weniger. Die Kirche werde sich von Gebäuden trennen müssen, werde weniger Pastoren bezahlen können: „Mittelfristig werden wir zu klein.“ Da es schmerzt, die Eigenständigkeit zu verlieren, wurde darüber viel debattiert, was kommen kann und muss. Am Ende stand laut Cordes die Bilanz: „Wir fühlen uns als Christen im Kreis Lüneburg.“

Auf längere Sicht dürften für kirchliche Einrichtungen weitere Schritte anstehen, dann quasi auch in die andere Richtung. Denn die Landkreise Uelzen und vor allem Lüchow-Dannenberg verlieren an Bevölkerung. Schon jetzt arbeitet der Diakonieverband Lüneburg-Bleckede mit Partnern in Uelzen zusammen. Die Uelzener waren bei einem Förderprojekt in finanzielle Schieflage geraten und brauchten massive Hilfe. Vielleicht, so heißt es aus Kirchenkreisen mit Blick in die Zukunft, möchte die Diakonie in Lüchow-Dannenberg langfristig mit dem großen Bruder zusammenarbeiten. Vom Namen her wäre das kein Problem, der scheint auf Zuwachs ausgelegt, er nennt sich Diakonieverband Nordostniedersachsen.