Aktuell
Home | Lokales | Ernte verrottet auf dem Feld
3375878.jpg

Ernte verrottet auf dem Feld

off Barförde. Riesige Pfützen im Maisfeld, verrottete Getreidewurzeln und unter Wasser stehendes Grünland: Noch kann Alfred Ritters das endgültige Ausmaß der Schäden nur schätzen, doch schon jetzt ist absehbar: „Mindestens zehn Hektar unserer Fläche können wir für dieses Jahr abschreiben.“ Der Milchbauer aus Barförde teilt sein Schicksal mit mehr als 250 anderen Landwirten im Landkreis Lüneburg: Das Hochwasser hat auf seinen Flächen zum Teil schwere Schäden hinterlassen. Verluste, die Ritters und seine Kollegen allerdings nicht alleine tragen müssen: Vor wenigen Tagen ist in Niedersachsen offiziell das Hochwasser-Hilfsprogramm für die Landwirtschaft gestartet.

Auf den Weg gebracht hat die Soforthilfe für Bauern das niedersächsische Landwirtschaftsministerium, bis zu 50 Prozent der Schäden – maximal 50 000 Euro, in Härtefällen 100 000 Euro pro Betrieb – sollen erstattet werden. Bevor allerdings die ersten Soforthilfen fließen, muss die offizielle Schadensermittlung durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen abgewickelt werden. Ein Verfahren, das für Alfred Ritters und seine Kollegen im Landkreis Lüneburg jetzt mit dem Ausfüllen der Vorab-Mitteilung ihrer Schäden begonnen hat – und Monate dauern kann.

„Sobald die Landwirte Hochwasserschäden bei der zuständigen Bezirksstelle gemeldet haben, werden Termine zur Vor-Ort-Kontrolle festgelegt“, erklärt Kammer-Mitarbeiter Jürgen von Haaren. „Dann nehmen Kollegen die betroffenen Flächen in Augenschein und schätzen den Schaden.“ Auf Grundlage der dabei ermittelten Schadenssumme wird der offizielle Antrag gestellt – und bestenfalls sofort bewilligt. Ende der Antragsfrist ist der 12. Dezember 2013. Betriebe, deren Anträge bewilligt wurden, können laut Landwirtschaftsministerium frühestens ab August mit der finanziellen Unterstützung aus der Soforthilfe rechnen.

Alfred Ritters schätzt den Hochwasserschaden für seinen Betrieb auf 10 000 bis 15 000 Euro, „dabei hatten wir noch Glück, dass unsere Flächen alle hinterm Deich liegen“, sagt er. Probleme bereitet ihm vor allem das Qualmwasser, „viele unserer Grünlandflächen im Hinterland sind nach wie vor so nass, dass wir sie mit den Maschinen nicht befahren können“. Noch schlimmer sieht es auf den Wiesen seiner Berufskollegen vor dem Deich aus. Dort rechnet Kammer-Mitarbeiter Jürgen von Haaren nicht nur mit Totalausfällen. Womöglich kommen auf die Landwirte auch noch Entsorgungskosten zu.

„Einige Landwirte haben die Grasernte im Vordeichgelände noch rechtzeitig geschafft“, sagt von Haaren, „alle anderen müssen das Gras mähen, sobald die Flächen trocken genug sind.“ Was mit dem Mähgut danach passiert, ob und wenn ja wie stark es mit Schadstoffen belastet ist, werde derzeit geprüft. Fest steht allerdings: Als Futter kann das Gras der überfluteten Flächen nicht mehr verwendet werden. „Und auch ein zweiter Grasschnitt wird wohl nicht möglich sein.“ Für viele Landwirte also ein Totalausfall.