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Die Brücken-Experten

fs Lüneburg. Montagabend, kurz vor Sonnenuntergang. Während die meisten Lüneburger längst Feierabend haben, fängt für Bernd Harendt die Arbeit erst an. Für die Firma Bruns ist er bei der Sanierung der Friedrich-Ebert-Brücke im Einsatz. Er ist Fahrer des sogenannten Brückenuntersichtsgerätes. Mit dem neuen, kranähnlichen Fahrzeug können seine Kollegen präzise und schnell unter die Brücke gelangen, um dort Prüf- und Reparaturarbeiten zu erledigen.

Souverän lenkt Harendt das große Gefährt in die richtige Position neben dem Brückengeländer. Auffällig ist die Länge des zu einer Seite hin ausfahrbaren Armes, die das Fahrzeug dennoch nicht aus dem Gleichgewicht bringt. „Auf den ersten Blick denkt man, das ist physikalisch gar nicht möglich, dass der Wagen nicht umkippt bei dieser einseitigen Belastung“, sagt Harendt. Ausgeklügelte Technik, ein Gegengewicht und eine Standachse beugen dem vor. Über ein Gerät unter die Brückenunterseite zu klettern, das sei auch schon vorher möglich gewesen – mit einem herkömmlichen Kappenschalwagen, erklärt der Fachmann. Im Gegensatz zum mobilen Brückenuntersichtgerät ließ sich die Vorrichtung allerdings nicht so flexibel und passgenau einsetzen. „Mit dem neuen Gerät muss nur eine Seite gesperrt werden“, erklärt Jörg Fuhrmann, Polier der Baustelle: „Das spart Zeit und Kosten.“

Rund 500 000 Euro kostet der letzte Abschnitt der Sanierung dennoch. Gehwege und Leitplanken seitlich der Fahrbahn auf der Friedrich-Ebert-Brücke werden erneuert. Außerdem sollen die Berührungsschutzwände aus Glas ausgetauscht werden. Da unterhalb der Brücke das ICE-Hauptgleis verläuft, mussten für die Zeiten der Sanierung Sperrzeiten bei der Deutschen Bahn vereinbart werden. Um den Zugverkehr so wenig wie möglich zu beschränken, werden die Arbeiten überwiegend nachts und an den Wochenenden ausgeführt. Damit die Arbeiter nicht in Gefahr geraten, müssen für den jeweiligen Sanierungsabschnitt zudem die Oberleitungen geerdet werden.

Schließlich ist es so weit, Harendt und Fuhrmann bekommen grünes Licht. Durch den Kranarm, der eine Reichweite von bis zu 13 Meter in die Tiefe hat, können die Arbeiter auf den unterhalb der Brücke positionierten Steg gelangen. Der kann zusätzlich bis zu dreieinhalb Meter ausgefahren werden und ein Gewicht von fünfhundert Kilo tragen. „Zwei erwachsene Männer können mit dem Werkzeug locker darauf stehen“, erläutert Harendt. Zudem könnten die Arbeiter die Reichweite des Stegs von unten selbst per Knopfdruck steuern und bräuchten dafür nicht mehr jedes Mal nach oben zu kommen. Das sei auch an Kaimauern und anderen schwer zugänglichen Bauwerken praktisch und ein echter Zeitgewinn.

Gedulden müssen sich weiterhin die Autofahrer, die Friedrich-Ebert-Brücke bleibt noch bis zum 10. August zwischen Pirolweg und Deutsch-Evern-Weg voll gesperrt. Für Radfahrer und Fußgänger wird die Brücke voraussichtlich am 11. Juli wieder freigegeben.