Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Geldpuffer für Unibau
3381882.jpg

Geldpuffer für Unibau

jj Lüneburg. Auf dem Papier ist alles fein, jede Zahl an ihrem Platz. Und einen Puffer hat die Uni Lüneburg für den Bau des neuen Zentralgebäudes auch noch, selbst nach den Mehrkosten von 7,5 Millionen Euro. Was nicht fein sein könnte wie die Unwägbarkeiten, die sich für manche aus dem Bericht der EU-Betrugsbekämpfer ergeben, das blieb gestern Morgen in Hörsaal 1 auf dem Campus auch außen vor bei der Information der Uni-Spitze zum Libeskind-Komplex. Knapp hundert Studenten erhielten einen Einblick in die Architektursprache des neuen Gebäudes, ins Finanzmanagement und in die umweltbewusste Energiebilanz des futuristischen Objekts.

Nach aktuellem Stand wird der Libeskind-Bau jetzt 64,8 Millionen Euro netto kosten. Er ist das Herzstück des Campus-Konzeptes, betonte Präsident Sascha Spoun, „und wir wollen, dass es Realität wird“. Ein Bau, der die hierarchische Struktur der ehemaligen Kaserne aufbricht, die Uni öffnet, neue Orientierung und „kleine Fluchten“ schafft, erklärte Projektleiter Matthias Reese.

Er präsentierte in einem Parforceritt die acht Etagen, deren erste Schrägen auf der Baustelle schon zu sehen sind. Und im Keller könne man schon die „Poesie erahnen“, die dieser zinkverkleidete Bau mit 13 300 Quadratmetern Nutzfläche auf den Plateaus ausstrahlen wird auf Studenten, Forscher, Professoren und Gäste im 1200 Plätze großen Audimax.

Wie das finanziert wird, dafür ist Vizepräsident Holm Keller der Fachmann, der viel von Vorsorge sprach. Wesentlicher Faktor sind neben den Zuschüssen von Land, EU, Stadt, Kreis und anderen Sponsoren, die zusammen rund 46,3 Millionen Euro zahlen sollen, die Leistungen der Stiftungsuni selbst.

Sie will am Ende durch den Verkauf der dann voll vermieteten Liegenschaft in Volgershall sowie der Veräußerung der Gebäude am Rotenbleicher und Wilschenbrucher Weg einen erheblichen Beitrag leisten – bisher stehen knapp elf Millionen Euro in der Kalkulation. Was dazu bisher an Summen zu Papier gebracht wurde, bewertete Keller gestern als konservative Variante. Die Gründe lieferte er mit: Wenn der neuere Bau Volgershall erst komplett vermietet sei, alle Studenten auf den Campus umziehen und neben dem langfristigen Mieter „JobCenter“ noch ein zweiter Interessent unterschrieben hat, dann steigere das den Wert der Immobilie beträchtlich.

Und im Roten Feld, da reiche ein Blick in die Immobilienseiten. Der Preis kenne nur eine Richtung. „Wir werden den richtigen Zeitpunkt abwarten.“ Kurzum, da sei noch Luft, um auch weitere mögliche Kostensteigerungen abzufedern. Am Ende tausche die Uni eigentlich alte gegen neue Studienräume – ohne Schulden aufzunehmen.

Vergleiche mit anderen Großprojekten in Deutschland, die als Millionengräber in die Schlagzeilen geraten sind, da ist sich Projektleiter Matthias Reese sicher, können nicht gezogen werden. „Wir sind da in der Planung viel tiefer.“

Als dann aber doch die Frage gestellt wurde, ob der Bericht des europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung OLAF sich auf die Finanzierung, gar auf die Zusagen der EU auswirken könne, die immerhin in Kellers Rechnung mit 14 Millionen verankert sind, sagte der Vizepräsident: „Darauf kann ich nicht antworten, schon zum Schutz unserer Einrichtung.“

Keller ist vielmehr dabei, aus dem Trio der kirchlichen Sponsoren, die den Raum der Stille im Libeskind-Bau finanzieren, ein Quartett werden zu lassen: Neben den Zusagen der katholischen und evangelischen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde wirbt er um eine islamische Gruppe. Alle in einem Raum, das hätte dann wieder weltweit Symbolcharakter.