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Kroko-Jäger im Sommerloch

rg Lensian. Michael Manke ist sauer. Seit kurzem kennt den Wendländer die bundesdeutsche „Bild“-Leserschaft als aufschneiderisches Großmaul, das behauptet hat, in der Elbe ein Krokodil erlegt zu haben, und das mit dieser Lüge letztlich auch noch Bruchlandung erlitt und aufflog. Fast eine halbe Seite seiner gestrigen Ausgabe inklusive eines frühstücksbrett-großen Fotos, das den Jäger und seine angebliche Beute zeigt, widmete das Boulevard-Blatt der Geschichte. „Und dabei war alles nur ein Scherz“, sagt Manke und schüttelt den Kopf. Ein Scherz, der dank Facebook und „Bild“ mächtig nach hinten losging. Der die Behörden, die Polizei und letztlich die Anwälte auf den Plan rief. Und über den das letzte Wort noch nicht gesprochen sein dürfte.

Angefangen hatte alles mit einer Schnapsidee. „Die Witwe eines verstorbenen Jagdfreundes hatte mir vor einigen Jahren das präparierte Krokodil überlassen“, berichtet der 52 Jahre alte Jäger aus Lensian. Als er nun vor einigen Wochen die Trophäe auf dem Rasen vor seinem Haus vom Staub befreite sei ein Freund auf die Idee gekommen, ihn in Jägermontur und mit Gewehr in der Hand hinter dem Krokodil zu fotografieren. „Als Erinnerungsfoto, nur so, ohne Hintergedanken“, beteuert Manke. Doch das Foto landete via Facebook im Internet und löste einen Riesenwirbel aus. „Plötzlich hieß es, ich hätte das Krokodil in der Elbe erschossen“, sagt Michael Manke.

Und das Gerücht schaffte es ins Lüchower Kreishaus, wo man hellhörig wurde, da beim Hochwasser vor einigen Wochen in Tschechien tatsächlich mehrere Reptilien abhanden gekommen waren. „Plötzlich stand die Polizei bei mir vor der Tür und fragte nach dem Krokodil“, erzählt der Jäger und schmunzelt. „Denen habe ich das ausgestopfte Tier gezeigt und ihnen erzählt, dass es in den 1970er-Jahren von einem Freund in Namibia geschossen worden war.“ Und nachdem sich die Beamten davon überzeugt hatten, dass es sich wirklich um eine alte Trophäe handelt, war die Angelegenheit somit für die Staatsmacht auch erledigt. „Seitens der Polizei werden keine weiteren Ermittlungen geführt“, heißt es dazu von der zuständigen Polizeiinspektion Lüneburg.

Doch dann bekam die „Bild“zeitung Wind von der Geschichte. „Die riefen mich an, fragten ob ich das Tier wirklich geschossen habe, und als ich sagte, dass es eine Trophäe sei, fragten sie nach dem Präparator“, erinnert sich Manke. Und als er den nicht habe nennen wollen, habe die Reporterin gesagt, dass sie dann auch keinen Artikel schreiben könne und aufgelegt. „Sie können sich vorstellen, wie erstaunt ich war, als ich den Artikel dann in der Zeitung las.“ Niemals habe er behauptet, das Krokodil in der Elbe geschossen zu haben, sagt Michael Manke. „Und erst recht habe ich mich nicht als Held aufgespielt, der Badegäste vor solch einer Bestie schützen wollte“, stellt er heraus. Dass er nun als Lügner, als Aufschneider und „Großmaul“ dargestellt wird, ärgere ihn, und daher habe er auch seinen Anwalt damit beauftragt, rechtliche Schritte gegen das Boulevard-Blatt zu prüfen. „Die sollen nur merken, dass sie nicht alles mit Menschen machen können, das würde mir schon reichen“, sagt Michael Manke.

Und was passiert jetzt mit dem Krokodil? „Das kommt in meinem Jagdzimmer an die Wand“, sagt der Jäger. Dorthin, wo schon die Trophäen vieler anderer Tiere aus Afrika hängen. Und vielleicht komme der Artikel eingerahmt daneben. „Denn man muss das ja mal so sehen: Von denen war nichts anderes zu erwarten. Und nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“, schmunzelt Michael Manke. „Vor allem im Sommerloch.“